Der Kampf Holzer gegen Taha: Wenn Hochmut der Achtung weicht

Bearbeitung und Collage: UOJ-Redaktion. Fotos: Instagram / Max Holzer

Am 16. Mai 2026 fand in der ZAG Arena in Hannover das MMA-Event OKTAGON 88 statt. Einer der meistbeachteten Kämpfe des Abends war das Duell zwischen dem deutschen Kämpfer Max Holzer und Khalid Taha.

Auf den ersten Blick mag ein MMA-Kampf weit entfernt von den Themen einer orthodoxen Nachrichtenseite erscheinen. Wir schreiben darüber jedoch nicht, um Kämpfe zu verherrlichen oder Gewalt zu romantisieren. Der Anlass ist ein anderer: Max Holzer zog laut einem in sozialen Medien verbreiteten Clip unter einem orthodox geprägten Psalmengesang in den Kampf ein. Zudem endete eine zuvor stark aufgeheizte Rivalität nicht mit weiterer Erniedrigung, sondern mit einem Zeichen des gegenseitigen Respekts.

Gerade deshalb ist diese Geschichte auch aus christlicher Sicht interessant. Sie erinnert daran, dass der eigentliche Kampf des Menschen nicht nur gegen einen äußeren Gegner geführt wird, sondern vor allem im eigenen Herzen: gegen Hochmut, Hass, Eitelkeit und den Wunsch, den anderen zu erniedrigen.

2. Ein aufgeheiztes Duell

Vor dem Kampf war die Stimmung zwischen Max Holzer und Khalid Taha stark angespannt. n-tv beschrieb das Duell als „Hassgipfel“, der von Sticheleien, Provokationen und Beleidigungen geprägt gewesen sei.

Sportlich endete der Kampf klar zugunsten Holzers. n-tv berichtete, dass der Hauptkampf in Hannover mit einem schnellen Knockout-Sieg für den Lokalmatadoren endete. Auch OKTAGON führt Holzer nach dem Kampf mit einer Bilanz von 12 Siegen und 0 Niederlagen.

Doch wichtiger als der reine Ausgang des Kampfes war das, was danach geschah. Die Rivalität wurde nicht weitergeführt. Nach dem Kampf seien alle Differenzen vergessen gewesen; beide Hauptkämpfer fielen sich in die Arme und zollten einander Respekt.

Früher provozierte Holzer — diesmal wirkte etwas anders

Max Holzer ist in der deutschen MMA-Szene nicht nur für seine sportlichen Erfolge bekannt. RTL schrieb bereits im April 2025 über ihn unter der Überschrift „zwischen sportlichem Höhenflug und geschmacklosen Provokationen“. Nach seinem Kampf gegen Deniz Ilbay habe Holzer seinen Gegner auf den Hinterkopf geküsst und eine obszöne Geste gemacht. Beides habe die Situation zusätzlich eskalieren lassen.

Auch seine Worte sorgten damals für Kritik. RTL berichtete, Holzer schieße mit seinen Sätzen immer wieder über das Ziel hinaus und müsse sie später wieder einfangen. Nach dem damaligen Eklat entschuldigte er sich öffentlich.

Umso auffälliger war nun der andere Ton nach dem Kampf gegen Khalid Taha. Niemand kann von außen sicher beurteilen, was im Herzen eines Menschen geschieht. Aber man kann sehen, ob ein Mensch nach einem Sieg weiter provoziert — oder ob er stehenbleibt, Respekt zeigt und die Spirale der Demütigung nicht fortsetzt. In Hannover wirkte genau das sichtbar anders.

Hochmut will immer mehr

Hochmut gibt sich nicht mit einem Sieg zufrieden. Er will mehr. Er will den anderen nicht nur besiegen, sondern auch erniedrigen. Er will zeigen: „Ich bin oben, du bist unten.“

Gerade im Sport kann diese Versuchung besonders stark sein. Wer gewinnt, steht im Mittelpunkt. Die Kameras sind auf ihn gerichtet, das Publikum jubelt, die sozialen Netzwerke reagieren. In einem solchen Moment zeigt sich, was im Menschen wirklich lebt.

Man kann äußerlich gewinnen und innerlich verlieren. Man kann den Gegner im Käfig besiegen und zugleich von der eigenen Eitelkeit, vom Zorn und vom Hochmut besiegt werden. Der Mensch verliert dann nicht sportlich, sondern geistlich.

Demut ist keine Schwäche

Demut bedeutet nicht Schwäche. Sie bedeutet nicht Feigheit und auch nicht, dass ein Mensch keine Kraft haben darf. Demut bedeutet, die eigene Kraft nicht zur Erniedrigung des anderen zu missbrauchen.

Ein Mensch kann stark sein, kämpfen und gewinnen. Aber nach dem Sieg beginnt eine andere Prüfung: Was macht er mit seiner Überlegenheit? Nutzt er sie, um den anderen zu beschämen? Oder erkennt er im Gegner weiterhin einen Menschen?

Genau hier liegt der geistliche Kern dieser Geschichte. Nach einem aufgeheizten Vorfeld hätte der Sieg leicht in neue Provokationen, Spott oder öffentliche Demütigung münden können. Stattdessen wurde nach dem Kampf Respekt gezeigt. Das macht die Situation nicht zu einer Heiligengeschichte. Aber es macht sie zu einem Anlass, über den Unterschied zwischen Hochmut und Demut zu sprechen.

Der orthodoxe Psalmengesang beim Einzug

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Einzug von Max Holzer. In einem in sozialen Medien verbreiteten Clip heißt es, dass nach der deutschen Nationalhymne Psalm 135 erklang: „Lobt den Namen des Herrn.“

Der Anfang dieses Psalms lautet in der Lutherbibel: „Halleluja! Lobet den Namen des HERRN, lobet, ihr Knechte des HERRN“.

In der orthodoxen Tradition ist dieser Psalmengesang vielen Gläubigen durch die Worte „Хвалите имя Господне“ bekannt. Nach westlicher Zählung handelt es sich um Psalm 135, nach der in der orthodoxen Tradition üblichen Septuaginta-Zählung um Psalm 134. Er gehört zum festlichen Lobpreis Gottes.

Ein solcher Gesang ist nicht einfach Hintergrundmusik. Er ist Teil der Gebets- und Gottesdiensttradition der Kirche. Deshalb kann ein orthodoxer Christ einen solchen Moment nicht nur als Showeffekt wahrnehmen. Wenn ein Psalm beim Einzug in einen Kampf erklingt, stellt sich automatisch die Frage: Entspricht das spätere Verhalten dem Geist dieses Gebets?

Kein religiöser Showeffekt

Natürlich macht ein Einzug unter einem orthodoxen Psalmengesang einen Sportler nicht automatisch zu einem Vorbild christlichen Lebens. Es wäre falsch, aus einem äußeren Zeichen sofort eine geistliche Bewertung des Menschen abzuleiten.

Doch gerade deshalb ist Vorsicht nötig. Orthodoxie ist keine Ästhetik und kein dramatischer Soundtrack. Sie ist nicht nur Weihrauch, Gesang und starke Bilder. Orthodoxie ist der Weg der Umkehr, der Reinigung des Herzens und des Kampfes gegen die Leidenschaften.

Wenn ein Mensch öffentlich ein orthodoxes Motiv verwendet, dann erinnert dieses Motiv auch an Verantwortung. Ein Psalm ruft nicht zur Selbsterhöhung auf, sondern zum Lob Gottes. Er führt nicht zum Kult um die eigene Stärke, sondern zur Erinnerung daran, dass der Mensch vor Gott demütig bleiben soll.

8. Stärke ohne Demut wird gefährlich

Das Christentum verlangt vom Menschen nicht, schwach zu sein. Es verbietet nicht jede Form von Kampf, sportlicher Disziplin oder körperlicher Stärke. Aber es warnt davor, dass Stärke ohne Demut schnell in Grausamkeit umschlagen kann.

Eine Niederlage kann einen Menschen demütigen. Aber auch ein Sieg kann gefährlich sein. Denn im Sieg zeigt sich, ob der Mensch sich selbst beherrschen kann.

Der Kampf zwischen Holzer und Taha zeigt genau diesen Kontrast. Vor dem Kampf gab es Provokationen, harte Worte und viel Spannung. Nach dem Kampf aber stand nicht die Fortsetzung des Hasses im Mittelpunkt, sondern ein Zeichen des Respekts.

Das ist kein Beweis vollkommener Tugend. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Mensch selbst nach einem harten Konflikt innehalten kann. Er kann entscheiden, ob er den Hass weiterträgt oder ob er ihn beendet.

Die eigentliche Niederlage

Für einen orthodoxen Christen liegt hier eine einfache Lehre. Die eigentliche Niederlage besteht nicht immer darin, einen Kampf zu verlieren. Man kann auch dann verlieren, wenn man gewinnt — wenn man nach dem Sieg vom Hochmut beherrscht wird.

Hochmut sagt: „Mach weiter. Erniedrige ihn. Zeig allen, dass du größer bist.“

Demut sagt: „Halt ein. Vor dir steht ein Mensch.“

Deshalb wurde der Kampf zwischen Holzer und Taha zu mehr als nur einem MMA-Ereignis. Er wurde zu einem Anlass, über den inneren Zustand des Menschen zu sprechen. Über die Versuchung des Hochmuts. Über die Würde des Gegners. Und über die Möglichkeit, nach einem harten Konflikt nicht Hass, sondern Achtung zu wählen.

Der wahre Sieg besteht nicht nur darin, stärker zu sein als der andere. Der wahre Sieg besteht darin, in sich selbst den Wunsch zu überwinden, den anderen zu hassen.

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