„Ich kam zur Orthodoxie wegen ihrer Schönheit und Wahrheit“ – Influencer aus Österreich
Influencer „Stefan with Jesus“. Screenshot aus einem Video, bearbeitet von UOJ
„Stefan with Jesus“ ist ein Blogger aus Österreich, der auf TikTok und in anderen sozialen Netzwerken über die Orthodoxie spricht. Heute werden seine Videos von Tausenden Menschen gesehen, die sich für das Christentum, die Kirchengeschichte und das geistliche Leben interessieren.
Im Interview mit der UOJ spricht Stefan über seinen schwierigen Weg zur Orthodoxie, seine religiöse Suche, die Entwicklung deutschsprachiger orthodoxer Inhalte und darüber, warum sich immer mehr junge Europäer für den orthodoxen Glauben interessieren.
Erzählen Sie bitte kurz über sich: Wo wurden Sie geboren, woher stammen Sie, und wie verlief Ihr bisheriger Weg?
Ich wurde in Serbien geboren und stamme aus einer gemischten Familie, mein Vater ist Serbe und meine Mutter Kroatin. Obwohl ich bereits als Baby orthodox getauft wurde, wuchs ich überwiegend im katholischen Umfeld meiner Mutter auf, da sich meine Eltern früh trennten. Deshalb erhielt ich zunächst auch die katholischen Sakramente und hatte lange Zeit keinen bewussten Bezug zu meiner orthodoxen Herkunft.
Rückblickend glaube ich jedoch, dass Gott mich trotz vieler Umwege Schritt für Schritt zur Orthodoxie geführt hat.
Mein bisheriger Weg war geprägt von vielen Fragen, innerer Suche und dem Wunsch, die Wahrheit des christlichen Glaubens wirklich kennenzulernen.
Welche Rolle spielte der Glaube in Ihrer Familie?
Der Glaube spielte im Leben meiner Eltern eher eine untergeordnete Rolle. Mein Vater wurde zwar orthodox geboren und meine Mutter katholisch, dennoch war die Orthodoxie kein aktiver Bestandteil unseres alltäglichen Familienlebens.
Dadurch fehlte mir lange Zeit ein tieferer Bezug zur orthodoxen Tradition. Trotzdem glaube ich heute, dass Gott mich niemals losgelassen hat und mich trotz vieler Umwege zur Orthodoxie zurückgeführt hat.
Wie sind Sie persönlich zum orthodoxen Christentum gekommen?
Mein persönlicher Weg zur Orthodoxie begann überraschenderweise durch einen evangelischen Freund, der mein Interesse an Gott geweckt hat. Vorher hatte ich kaum einen wirklichen Bezug zum Glauben. In dieser Zeit war ich teilweise in verschiedenen Sekten unterwegs und vertrat sogar eigene religiöse Vorstellungen, die ich damals auch auf TikTok verbreitete.
Eine Zeit lang sah ich mich selbst als „halb orthodox und halb evangelisch“, weil ich innerlich nach Orientierung suchte. Doch irgendwann kam ein Punkt großer Verzweiflung, an dem ich nicht mehr wusste, was wirklich die Wahrheit ist.
Genau in dieser Phase begann ich, mich intensiv mit Kirchengeschichte auseinanderzusetzen.
Durch das Studium der frühen Kirche, der Kirchenväter und der historischen Entwicklung des Christentums erkannte ich schließlich, dass die Orthodoxie die ursprüngliche Kirche Christi ist.
Interessanterweise begann alles damit, dass mich eines Tages jemand auf Instagram anschrieb und mir anbot, meine Fragen über die Orthodoxie zu beantworten.
Ich bin also nicht durch Streitgespräche oder Debatten zur Orthodoxie gekommen, sondern weil mir die Schönheit, Tiefe und Wahrheit der orthodoxen Kirche gezeigt wurde.
Warum haben Sie begonnen, einen orthodoxen Blog zu führen? Wie wichtig ist es heute, über soziale Medien wie TikTok, YouTube und andere Plattformen über die Orthodoxie zu sprechen?
Seit meiner Kindheit hatte ich den Wunsch, etwas im Bereich Social Media zu machen. Besonders das Produzieren, Filmen und Schneiden von Videos begeistert mich bis heute sehr. Ich sehe darin eine Gabe Gottes, die ich nicht für mich selbst, sondern für einen sinnvollen Zweck einsetzen möchte.
Da ich selbst durch ehrliche Gespräche, historische Fakten und authentische Darstellung zur Orthodoxie gefunden habe, wünsche ich mir, auch anderen Menschen auf ähnliche Weise zu helfen.
Viele Menschen haben heute kaum Berührungspunkte mit der Orthodoxie oder kennen nur Vorurteile. Gerade deshalb halte ich soziale Medien für ein wichtiges Werkzeug, um Menschen die Schönheit, Geschichte und Wahrheit der Orthodoxie näherzubringen.
Dennoch sehe ich persönlich meine Berufung nicht darin, Debatten zu führen oder mit dem Finger auf andere Konfessionen zu zeigen, wie es heute viele christliche beziehungsweise orthodoxe Blogger tun. Stattdessen konzentriere ich mich bewusst darauf, Menschen die Schönheit, Geschichte, den Glauben und die Wahrheit der Orthodoxie näherzubringen. Mein Ziel ist es, die Orthodoxie positiv, verständlich und authentisch zu zeigen.
Heute gibt es immer mehr deutschsprachige christliche und orthodoxe Influencer. Welche Priester, Blogger, Gläubigen oder Online-Plattformen würden Sie empfehlen?
Zunächst ist es mir wichtig zu betonen, dass orthodoxe Christen vor allem auf ihre Priester und geistlichen Väter hören sollten. Das Internet kann hilfreich sein, ersetzt aber niemals das geistliche Leben innerhalb der Kirche. Deshalb sollte man seinen Glauben nicht ausschließlich über soziale Medien aufbauen, sondern vor allem durch das kirchliche Leben, die Liturgie und die Begleitung durch geistliche Väter.
Deutschsprachige orthodoxe Projekte, die ich persönlich sehr schätze, sind unter anderem Photisis TV, der offizielle YouTube- und Spotify-Kanal des orthodoxen Discord-Servers „Apostolische Kirche“. Dort engagieren sich orthodoxe Christen, Erzpriester, Priester aus verschiedenen Bistümern, orthodoxe Autoren und Übersetzer gemeinsam für die Verbreitung der Orthodoxie.
Besonders schön finde ich, dass dort Menschen unterstützt werden, die sich für die Orthodoxie interessieren, sowohl Neulinge als auch bereits orthodoxe Christen. Auf dem Server werden zahlreiche hilfreiche Ressourcen, Vorträge, Bücher und Materialien zur Verfügung gestellt.
Außerdem ist dort auch der orthodoxe Autor und Übersetzer Johannes Alfred Wolf Mitglied, dessen Arbeiten vielen deutschsprachigen Menschen helfen, die Orthodoxie besser kennenzulernen. Er hat zudem kostenlose Ressourcen und Materialien für die Mitglieder bereitgestellt.
Unterstützt wird das Projekt unter anderem von Vater Alexej Veselov sowie vom ehemaligen Generalsekretär der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Hyperdiakon Nikolaj Thon. Deshalb freue ich mich auch sehr, selbst Videos für Photisis TV machen zu dürfen und vom Gründer des Projekts unterstützt zu werden.
Ebenso empfehle ich den Kanal OrthoMedien von Vater Alexej Veselov, durch den ich selbst viel über die Orthodoxie gelernt habe. Auch der YouTube-Kanal „Deutschsprachige Orthodoxie“ von Vater Matthias ist meiner Meinung nach sehr inspirierend und hilfreich.
Wie sehen Sie die Entwicklung der deutschsprachigen Orthodoxie? Gibt es Ihrer Meinung nach ein Wachstum deutschsprachiger Gottesdienste, geistlicher Literatur und Katechese?
Ich sehe großes Potenzial für die Entwicklung der Orthodoxie im deutschsprachigen Raum. Immer mehr Menschen, besonders junge Menschen, beginnen nach der ursprünglichen Wahrheit des christlichen Glaubens zu suchen.
Man merkt deutlich, dass deutschsprachige Gottesdienste, orthodoxe Literatur und katechetische Angebote langsam wachsen. Besonders erfreulich finde ich, dass nicht nur junge Menschen, sondern auch ältere Menschen zunehmend Interesse an der Orthodoxie zeigen.
Ich glaube, dass dies erst der Anfang ist und die Orthodoxie im deutschsprachigen Raum in Zukunft noch deutlich sichtbarer werden wird.
Welche deutschsprachigen orthodoxen Bücher, Autoren oder Materialien würden Sie Menschen empfehlen, die die orthodoxe Glaubenstradition tiefer kennenlernen möchten?
Ein Buch, das ich besonders empfehlen kann, ist „Der Glaube der Orthodoxen Christen“ vom heiligen Nikolaj Velimirović. Dieses Werk erklärt den orthodoxen Glauben auf einfache, verständliche und zugleich sehr tiefgehende Weise.
Außerdem kann ich die Bücher und Übersetzungen von Johannes Alfred Wolf sehr empfehlen. Seine Werke helfen vielen deutschsprachigen Menschen dabei, die orthodoxe Tradition, Theologie und das geistliche Leben der Kirche besser zu verstehen. Besonders wertvoll finde ich, dass seine Bücher sowohl für Anfänger als auch für Menschen geeignet sind, die ihren Glauben vertiefen möchten. Viele seiner Bücher findet man auf seiner Internetseite Orthlit.
Generell halte ich gute orthodoxe Literatur für sehr wichtig, weil viele Menschen heute erst durch Bücher und Vorträge einen ersten Zugang zur Orthodoxie finden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Orthodoxie in Deutschland?
Ich sehe die Zukunft der Orthodoxie in Deutschland sehr hoffnungsvoll. Immer mehr Menschen erkennen die geistliche Leere der modernen Gesellschaft und beginnen ernsthaft nach Wahrheit und Sinn zu suchen.
Dadurch wächst auch das Interesse an der Orthodoxie zunehmend.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, bin ich überzeugt, dass wir in Zukunft noch mehr orthodoxe Gemeinden, deutschsprachige Gottesdienste und vielleicht sogar weitere Kirchenübernahmen erleben werden.
Besonders großes Potenzial sehe ich bei der jungen Generation, weil viele junge Menschen heute nach Authentizität, geistlicher Tiefe und echter Tradition suchen.
Was möchten Sie unseren Lesern wünschen?
Zum Schluss möchte ich allen Leserinnen und Lesern Gottes reichen Segen wünschen. Möge Gott euch Gesundheit, Frieden und vor allem eine immer tiefere Liebe zu Ihm schenken.
Egal in welcher Situation sich ein Mensch befindet, Gott verlässt niemanden, der ehrlich nach Ihm sucht.
Deshalb wünsche ich allen Menschen Mut, Hoffnung und Vertrauen auf Gottes Führung.
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