„Wahrheit wird gesehen – sie wird nicht erschlossen“

Priester Daniel Schärer predigte in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich.

In einer Predigt am 1. März 2026, dem Sonntag der Orthodoxie, hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich, Schweiz, die geistliche Bedeutung der Ikonenverehrung und die Suche nach der Wahrheit Christi erläutert. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal.

Priester Daniel Schärer erinnerte zunächst an den historischen Hintergrund des Festes, das an die endgültige Überwindung des Ikonoklasmus im Jahr 843 unter Kaiserin Theodora erinnert. Die Kirche begehe den Sonntag der Orthodoxie als Dank für die Bewahrung des rechten Glaubens und als Erinnerung an den Sieg über Irrlehren.

Ausgehend vom Evangelium des Tages mit den Worten „Komm und sieh“ (Joh 1,43-51), die der Apostel Philippus zu Nathanael spricht, deutete der Priester das Sehen im christlichen Glauben als mehr als eine rein äußerliche Wahrnehmung. Nathanael erkenne Christus nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen und den „geistigen Augen“, indem er in ihm den Sohn Gottes bekenne.

Auch die Ikonen seien in diesem Sinne zu verstehen, erklärte der Geistliche. Sie seien nicht lediglich Bilder, die betrachtet werden, sondern Fenster zur geistlichen Wirklichkeit. Der Gläubige sei eingeladen, durch sie hindurch auf das Göttliche zu schauen und so die Wahrheit Christi zu erkennen.

Der Prediger rief dazu auf, den Sonntag der Orthodoxie nicht als Anlass zum Stolz zu verstehen, sondern als Grund zur Dankbarkeit gegenüber Gott, der seine Kirche durch die Geschichte bewahre. Die Fastenzeit solle genutzt werden, um das Herz zu reinigen und die „geistigen Augen“ zu schärfen, damit das Licht der Auferstehung Christi im eigenen Leben sichtbar werde. 

Livestream aus der Auferstehungskirche Zürich vom 1. März 2026, Predigt von Priester Daniel Schärer ca. ab Minute 57:



Die UOJ berichtete zuvor, dass eine panorthodoxe Vesper in Zürich die Einheit der Orthodoxie betonte.

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