Seminar in Krefeld: Digitale Welt fordert Familien heraus

Das Thema ist komplex, aber lösbar: Denis Wadimowitsch Kondratjew bei seinem Vortrag.

In der russisch-orthodoxen St.-Barbara-Kirche in Krefeld fand am 14. Februar 2026 ein eintägiges Seminar zum Thema „Kindesentwicklung und Erziehung in einer digitalen Welt“ statt. Eltern, Lehrkräfte, Geistliche und Jugendliche diskutierten wissenschaftliche und spirituelle Perspektiven auf die wachsende Bildschirmpräsenz im Alltag. Einen ausführlichen Bericht veröffentlichte das Diözesanorgan „Der Bote“ der russischen Auslandskirche am 27. Februar.

Im Mittelpunkt stand der Beitrag der Pädagogin, Forscherin und Professorin Olga Leonidovna Januschkjawitschene. Kernthese ihres Vortrags: Nicht die Technologie an sich gefährdet Kinder, sondern ein dauerhafter Reizrhythmus, der Aufmerksamkeit, Geduld und innere Sammlung untergräbt.

Auf Grundlage psychologischer und pädagogischer Studien zeigte sie, wie schnelle digitale Impulse zur „Wahrnehmungsnorm“ werden, oberflächlichen Informationskonsum fördern und langfristig die Fähigkeit zu konzentriertem Denken schwächen. Neben kognitiven Folgen betonte sie auch spirituelle Dimensionen: Innere Stille, Gebet und bewusste Präsenz seien Grundlagen gesunder Persönlichkeitsentwicklung.

Digitale Medien könnten nützlich sein – vorausgesetzt, sie würden maßvoll, altersgerecht und eingebettet in einen strukturierten Familienalltag genutzt.

Der Mediziner Denis Wadimowitsch Kondratjew beleuchtete das Thema aus neurobiologischer Sicht. Kernthese seines Vortrags: Das kindliche Gehirn entwickelt sich bis etwa zum 25. Lebensjahr – und digitale Reizüberflutung kann in sensiblen Entwicklungsphasen nachhaltige Spuren hinterlassen.

Er unterschied zwischen „schneller“ Dopamin-Stimulation durch Kurzvideos, soziale Medien oder Spiele und „langsamer“ Dopamin-Freisetzung durch Lernen, Sport oder kreatives Arbeiten. Während erstere kurzfristige Belohnung und Suchtpotenzial begünstige, fördere letztere Ausdauer, Selbstkontrolle und stabile Motivation.

Besonders in der frühen Kindheit ersetze übermäßige Bildschirmzeit entscheidende Erfahrungen wie freies Spiel, Bewegung und direkte Kommunikation.

Beide Referenten unterstrichen die Verantwortung von Eltern und Pädagogen. Digitale Disziplin entstehe nicht von selbst, sondern durch Vorbild, klare Strukturen und ein ausgewogenes Lebensumfeld. Auch nach dem 18. Lebensjahr bleibe Begleitung wichtig, da Selbstregulation und Impulskontrolle neurobiologisch erst später vollständig ausreifen.

Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas herrschte laut Veranstaltern eine konstruktive Atmosphäre: Das Problem sei komplex, aber lösbar – durch bewusste Gestaltung von Alltag, Beziehung und Bildungsumfeld.

Eine Aufzeichnung des Vortrags auf Russisch von Olga Leonidovna Yanushkyavichene gibt es hier, der Vortrag von Denis Wadimowitsch Kondratjew ist hier bei YouTube abrufbar.

Die UOJ berichtete zuvor, dass die Reliquien des heiligen Andreas von Kreta in Belgrad zur Verehrung ausgestellt wurden.


 
 

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