Patriarch Kyrill rief in Moskau zu verstärktem Engagement der Gläubigen auf

Patriarch Kyrill bei seiner Predigt am Vergebungssonntag in der Kirche des Heiligen Tichon im Moskauer Stadtteil Sewernoje Tuschino. Foto: Patriarchat

Am Sonntag vor der Großen Fastenzeit (22. Februar 2026) hat Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus die Gläubigen zu verstärktem Einsatz im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben aufgerufen. Das Patriarchat veröffentlichte die Ansprache in der Kirche des Heiligen Tichon auf seiner Webseite.

Der Patriarch betonte, dass der Bau zahlreicher neuer Kirchen in den wachsenden Moskauer Wohngebieten heute seine geistliche Bedeutung deutlich zeige. Wo Gotteshäuser entstehen, wachse auch der Glaube, sagte der Patriarch – gerade in einer modernen Metropole, in der religiöses Leben aktiv gestaltet werden müsse. Die Entwicklung in Russland stellte er der Lage in Teilen Westeuropas gegenüber, wo Kirchen seiner Darstellung nach häufig entweiht und umgenutzt würden.

Besonderes Gewicht legte das russische Kirchenoberhaupt auf die aktuelle Verantwortung der Kirche. Die heutigen gesellschaftlichen Möglichkeiten – etwa Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, Jugendarbeit und Austausch mit der intellektuellen Welt – seien Chancen, die es in der Sowjetzeit nicht gegeben habe. Gemeinden sollten daher bewusst als Zentren kirchlicher Aktivität auftreten und den Glauben sichtbar in die Öffentlichkeit tragen.

Mit Blick auf die politische Gegenwart verwies der Patriarch auch auf ein Umfeld, in dem sich staatliche Verantwortungsträger offen zum orthodoxen Glauben bekennen. Dies dürfe jedoch nicht zu Selbstzufriedenheit führen: Je mehr Möglichkeiten vorhanden seien, desto größer sei die Pflicht zu Engagement und missionarischer Arbeit.

Abschließend warnte er, dass trotz vieler Getaufter regelmäßige Gottesdienstbesucher weiterhin eine Minderheit seien. Gerade deshalb brauche es heute verstärkte Anstrengungen, junge Menschen einzubinden, Familien zu stärken und das Gemeindeleben lebendig zu gestalten, damit die Kirche in der aktuellen historischen Situation wirksam bleiben könne.

Die UOJ berichtete zuvor, dass Patriarch Ilia in Georgien zum Beginn der Fastenzeit zu Versöhnung und Gebet aufrief.

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