„Jedes einzelne Werk, das wir vollbringen, soll um Christi willen sein“
Priester Konstantin Anikin während seiner Predigt in der Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin am Sonntag des Jüngsten Gerichts. Foto: Screenshot YouTube
Am Sonntag, dem 15. Februar 2026, predigte Priester Konstantin Anikin in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin über das Evangelium vom Jüngsten Gericht, die geistliche Vorbereitung auf die Große Fastenzeit und die Bedeutung konkreter Nächstenliebe im Alltag. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Im Mittelpunkt der Predigt von Priester Konstantin Anikin stand das Gleichnis vom Weltgericht (Mt 25,31-46), das der Geistliche als „letzte Prüfung“ jedes Menschen deutete. Gott gebe den Gläubigen bereits alle notwendigen „Materialien“, um sich darauf vorzubereiten. Entscheidend sei nicht außergewöhnliche Askese oder heroische Leistungen, sondern die Frage, ob man dem Nächsten geholfen habe. Christus selbst identifiziere sich mit den Bedürftigen, weshalb jede Tat der Barmherzigkeit zugleich eine Tat an ihm sei.
Der Geistliche warnte jedoch vor rein äußerlicher Wohltätigkeit. Gute Werke seien nicht nur aus sozialem Engagement heraus zu tun, sondern bewusst „um Christi willen“. Es gehe darum, hinter jedem Menschen Christus zu erkennen – eine Haltung, die nach seinen Worten die eigentliche Schwierigkeit des christlichen Lebens darstelle. Hilfeleistung im konkreten Alltag, etwa in Krisensituationen, sei Ausdruck echten Glaubens und nicht bloß theologischer Überlegungen.
Mit Blick auf das Fest der Darstellung des Herrn (Lk 2,22–41) verwies der Prediger auf den greisen Simeon, der sein ganzes Leben auf die Begegnung mit Christus ausgerichtet habe. Auch Christen heute seien aufgerufen, Christus zu suchen und ihr „Hochzeitsgewand“, das sie in der Taufe empfangen hätten, durch Werke der Liebe rein zu bewahren. Die Fastenzeit solle dabei nicht durch übertriebene Strenge, sondern durch Versöhnung und praktische Hilfe geprägt sein.
Abschließend ermutigte der Priester die Gläubigen, selbst schwierigen Menschen mit Barmherzigkeit zu begegnen. Gerade im Gegenüber, das man ablehne oder kritisiere, könne Christus verborgen sein. Wer lerne, den Nächsten so zu sehen, bereite sich nach seinen Worten am besten auf das kommende Gericht vor.
Die UOJ berichtete zuvor, dass ein Sammelband des orthodoxen Underground-Magazins „Death to the World“ erscheint.
Lesen Sie auch
Erzbischof Tichon predigte über die Verantwortung für Gottes Gaben
Der Geistliche der Russischen Orthodoxen Kirche rief in Berlin dazu auf, die eigenen Fähigkeiten im Dienst an anderen einzusetzen.
Die Orthodoxe Kirche feiert die Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin
Die Gläubigen begehen das erste der zwölf großen Feste des Kirchenjahres, das den Beginn der Verwirklichung des göttlichen Heilsplans für die Menschheit markiert.
Historiker Herbert Ammon beschäftigt sich mit Angriff auf Swjatohirsker Lawra
Der Publizist kritisiert die einseitige westliche Berichterstattung und das Ausblenden „störender Fakten“ beim Blick auf die Ukraine.
Bulgarien erreichte Ausschluss von Patriarch Kyrill aus EU-Sanktionspaket
Der bulgarische Ministerpräsident teilte mit, dass die EU der Forderung Sofias nachgekommen sei, das Oberhaupt der ROK aus dem 21. Sanktionspaket gegen Russland herauszunehmen.
Abt Johannes: Christsein bedeutet, in Treue und Liebe mit Gott verbunden zu sein
Der Vorsteher des Klosters Buchhagen sprach über die Überwindung des Eigenwillens, die geistliche Bedeutung des Kreuzes und den Übergang vom irdischen zum ewigen Leben.
Neue orthodoxe Kirchengemeinde in Salzburg gegründet
Metropolit Pimen von Europa der Mazedonischen Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid erteilte den Segen zur Gründung der Gemeinde „Heiliger Erzengel Michael“.