„Wir leben in einem Land von trockenen, geistlichen Quellen“

Predigt von Priester Daniel Schärer: Der Sonntag des verlorenen Sohnes lädt zur geistlichen Standortbestimmung vor der Fastenzeit ein. Foto: Screenshot Facebook

Predigt von Priester Daniel Schärer: Der Sonntag des verlorenen Sohnes lädt zur geistlichen Standortbestimmung vor der Fastenzeit ein. Foto: Screenshot Facebook

In einer kraftvollen Predigt am 8. Februar 2026 hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich das Gleichnis vom verlorenen Sohn als geistliche Standortbestimmung vor Beginn der Fastenzeit ausgelegt. Im Mittelpunkt standen die Erfahrung geistlicher Leere, der Ruf zur Umkehr und die Zusage der göttlichen Barmherzigkeit. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal.

Das Evangelium vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32) enthalte drei zentrale Momente, die für die Vorbereitungszeit auf die Fastenzeit entscheidend seien, erklärte Priester Daniel Schärer. Zunächst gehe es darum, innerlich aufzuwachen. „Diese Vorbereitungszeiten sollen uns helfen, zu uns zu kommen“, sagte der Geistliche. Der Mensch müsse erkennen, wo er stehe: „Dass wir realisieren, dass wir im Exil sind, dass wir nicht zu Hause sind.“

Diese Selbsterkenntnis führe zur Erfahrung geistlicher Leere. Die heutige Welt beschrieb der Prediger mit eindrücklichen Worten: „Wir leben in einem Land von trockenen, geistlichen Quellen.“ Dieses Empfinden sei jedoch kein Zustand der Hoffnungslosigkeit, sondern ein geistlicher Anstoß. „Dieses geistliche Hungerleiden soll uns dazu führen, zum Herrn zurückzukehren“, betonte Priester Daniel Schärer. Der Mensch sei eingeladen, „dem Loch nachzuspüren, das diese Welt in unsere Seele gerissen hat“, um es nicht mit Ablenkung, sondern mit der Gegenwart Gottes zu füllen.

Als zweiten Schritt nannte der Geistliche die bewusste Umkehr. Einsicht allein reiche nicht aus: „Es reicht nicht nur zu realisieren – wir müssen auch umkehren.“ In diesem Zusammenhang wies Priester Daniel Schärer auf den eigentlichen Sinn des Fastens hin. „Fasten ist kein Abzählen von Regeln, sondern eine Unterstützung, zum Herrn zurückzukehren.“ Der menschliche Geist sei gegeben, „damit wir durch ihn mit dem Herrn in Gemeinschaft treten können“.

Besonders hob der Prediger als dritten Punkt die Barmherzigkeit Gottes hervor, die das Gleichnis präge. Gott bleibe nicht distanziert, sondern komme dem Menschen aktiv entgegen: „Jeder kleine Schritt, den wir auf Gott zumachen, führt dazu, dass Gott uns 200 Kilometer entgegenrennt.“ Diese Gewissheit schenke Halt und Hoffnung auf dem Weg der Buße und mache Mut, die kommende Fastenzeit bewusst zu nutzen.

Die Gottesdienste der Gemeinde finden in der Regel sonntags um 10 Uhr in der Auferstehungskirche (Narzissenstraße 10) in Zürich, Schweiz, statt.

Livestream aus der Auferstehungskirche vom 8. Februar 2026, Predigt von Priester Daniel Schärer ca. ab 56:00:



Die UOJ berichtete zuvor, dass die serbisch-orthodoxen Bischöfe Andrej und Jovan das Patronatsfest der Gemeinde in Lausanne begingen.

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