Priester Matthias Fröse: „Orthodoxes Leben ist nicht laut, es ist tragend“

Priester Matthias Fröse setzte seine Videoreihe zu orthodoxen Alltagsthemen fort. Foto: Screenshot YouTube

In seinem zwölften thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über die innere Spannung vieler orthodoxer Christen zwischen Glaubenstreue und dem Wunsch, im Alltag nicht ständig erklären oder rechtfertigen zu müssen. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 4. Februar 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.

Priester Matthias Fröse beschreibt, dass der orthodoxe Glaube außerhalb des kirchlichen Raums besonders gefordert wird: im Berufsleben, in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis. Während Liturgie und kirchliche Ordnung Orientierung geben, entstehen im Alltag Situationen, in denen Gläubige zwischen Klarheit und Rückzug, Zeugnis und Schweigen abwägen müssen.

Anknüpfend an die Lehre der Heiligen Väter betont der Geistliche, orthodoxes Leben sei nicht laut, sondern „tragend“. Als Leitwort zitiert er den heiligen Seraphim von Sarow, der den „Geist des Friedens“ als eigentliches Zeugnis hervorhebt. Nicht Diskussionen oder Erklärungen stünden im Mittelpunkt, sondern ein Leben, das durch innere Ruhe, Geduld und Beständigkeit wirkt.

Im Umgang mit Fragen oder Provokationen rät der Priester zu Nüchternheit und Unterscheidung. Nicht jede Nachfrage verlange eine ausführliche Antwort. Oft genüge ein schlichtes, ruhiges Bekenntnis zur eigenen Lebensweise. Wer gelassen bleibe, schaffe Respekt; übermäßiges Erklären könne hingegen Unsicherheit signalisieren.

Abschließend unterstreicht Priester Matthias Fröse, dass christliches Zeugnis vor allem im Verhalten sichtbar werde: in Sanftmut unter Druck, in Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Orthodox zu leben bedeute weder Rückzug aus der Welt noch Anpassung an sie, sondern einen stillen Weg mitten hindurch – getragen von Treue, nicht von Perfektion.



Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzpriester Matthias Zierenberg in Limburg zum Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer predigte.

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