Priester Konstantin Anikin: „Es zählt nur das Gebet, das aus dem Herzen kommt“

Priester Konstantin Anikin während der Predigt in der Kirche des Heiligen Isidor in Berlin. Foto: Screenshot YouTube

Am Sonntag, dem 1. Februar 2026, predigte Priester Konstantin Anikin in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin (ROK) über das Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer als Schule der Demut und des wahren Gebets. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Priester Konstantin Anikin erinnerte daran, dass das gehörte Evangelium (Lk 18,10–14) die Gläubigen bereits in die Nähe der Großen Fastenzeit führe. Im Gleichnis begegneten zwei völlig unterschiedliche Haltungen: der angesehene Pharisäer, der vor Gott seine religiösen Leistungen aufzähle, und der Zöllner, der sich kaum über die Schwelle des Tempels wage und nur die Worte spreche: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Äußerlich erfülle der Pharisäer alle religiösen Pflichten, doch sein Gebet bleibe ein „Vertragsverhältnis“ mit Gott, während das Gebet des Zöllners aus einem zerbrochenen Herzen komme.

Der Prediger betonte, dass ein Herz, das nur mit sich selbst und den eigenen Verdiensten beschäftigt sei, für Gott verschlossen bleibe. Wahres Gebet bedeute nicht viele Worte, sondern die innere Hinwendung zu Gott. Es gebe Zeiten langer liturgischer Gebete, doch ebenso Momente, in denen nur ein kurzer Ruf ausreiche – wie etwa bei Petrus auf dem sinkenden Boot. Entscheidend sei, dass das Gebet aus der Tiefe der Seele komme.

Der Geistliche warnte davor, sich dem Beispiel des Pharisäers anzugleichen, der über andere Menschen urteilte. Auch heute verurteilten Christen leicht Nachbarn, Politiker oder Fremde und merkten nicht, wie sehr sie damit dem Geist des Pharisäers ähnelten. Das Evangelium lehre jedoch eindeutig, dass nicht der Selbstgerechte, sondern der reumütige Sünder gerechtfertigt aus dem Tempel ging. Beichte und ehrliche Selbsterkenntnis seien deshalb Wege zur Heilung.

Zum Abschluss verglich der Priester zwei Bilder: Fliege und Biene. Die Fliege suche den Schmutz, die Biene selbst auf dem Müllhaufen noch eine Blüte. Christen sollten wie Bienen den „Honig des göttlichen Wortes“ suchen, statt überall das Schlechte zu finden. Diese Haltung führe zur Umkehr und zu einem Leben aus der Gnade Gottes.



Die UOJ berichtete zuvor, dass die serbisch-orthodoxe Gemeinde zur Kreuzverehrung in den Limburger Dom einlädt.

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