Warum in der Orthodoxie Priester „Vater“ genannt werden dürfen
Priester Matthias Fröse erläutert in einem Video das Verständnis geistlicher Vaterschaft im Licht der Heiligen Schrift. Foto: Screenshot YouTube
In seinem elften thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über das Wort Jesu, niemanden auf Erden „Vater“ zu nennen, und erklärt, warum die orthodoxe Kirche dennoch von geistlicher Vaterschaft spricht. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 27. Januar 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.
Ausgangspunkt des Videos ist eine häufige Frage von Christen außerhalb der Orthodoxie und von Glaubenssuchenden: Wie lässt sich die Anrede von Priestern als „Vater“ mit Jesu Aussage in Matthäus 23,9 vereinbaren? Der Geistliche betont, dass diese Frage ernst und ohne Polemik behandelt werden müsse, da sie ein zentrales Wort Christi berühre.
Der Priester legt dar, dass die Kirche Jesu Wort niemals als Verbot leiblicher oder geistlicher Vaterschaft verstanden habe. Zur Einordnung verweist er auf den Apostel Paulus, der sich im ersten Korintherbrief selbst als geistlichen Vater bezeichnet, nicht aus Selbstüberhöhung, sondern aus dienender Verantwortung heraus. Geistliche Vaterschaft sei demnach kein Anspruch und keine Quelle des Lebens, sondern ein Weitergeben dessen, was von Gott empfangen wurde.
Priester Matthias Fröse unterstreicht, dass Jesu Mahnung sich gegen Machtmissbrauch, Selbsterhöhung und eine Autorität richte, die sich von Gott löst. Wo geistliche Leitung Gewissen ersetze, Angst erzeuge oder Gehorsam ohne Liebe fordere, sei geistliche Vaterschaft entstellt. In der orthodoxen Tradition bleibe sie stets abgeleitet: Gott allein sei der Vater, alles andere Dienst, Verantwortung und Opfer.
Zugleich warnt der Priester vor dem entgegengesetzten Extrem einer vollständigen Ablehnung von Autorität. Glaube wachse nicht im Alleingang, sondern in Beziehung. Gesunde geistliche Vaterschaft zeichne sich durch Demut, Transparenz und Christusbezogenheit aus und führe den Menschen nicht an sich, sondern zu Gott. Am Ende stehe die befreiende Erkenntnis: Einer ist der Vater – und alles kirchliche Handeln soll auf ihn hin durchsichtig werden.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzbischof Tichon von Rusa das Patronatsfest der Gemeinde in Hof zelebrierte.
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