„Die Kirche ist ein Krankenhaus, kein Trainingslager“

Priester Matthias Fröse spricht in einem Video über geistliche Überforderung und den Weg der Nüchternheit im orthodoxen Leben.

In seinem neunten thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über geistliche Überforderung im orthodoxen Alltag und den rechten Umgang mit Maß und Treue im geistlichen Leben. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 21. Januar 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.

Im Zentrum des Videos steht die Beobachtung, dass viele Gläubige nach einiger Zeit im kirchlichen Leben nicht mehr fragen, ob sie innerlich wachsen, sondern ob sie „genug tun“. Der Vergleich mit anderen, mit spirituellen Idealen aus Büchern oder sozialen Medien führe häufig zu innerem Druck, strengerer Askese und dem Gefühl, geistlich zu versagen, wenn selbstgesetzte Maßstäbe nicht eingehalten werden können.

Der Geistliche verweist auf die Lehre der Heiligen Väter, die geistlichen Ehrgeiz ohne Maß klar zurückweisen. Nicht das Maßlose, sondern das Maßvolle heilige den Menschen. Er erinnert an den heiligen Antonius den Großen, der davor warnte, dass geistliches Scheitern oft aus Übermaß und fehlendem Segen entstehe, nicht aus Nachlässigkeit. Die Orthodoxie kenne keinen geistlichen Leistungswettbewerb, sondern verstehe sich als Weg der Heilung.

Anhand von Beispielen aus Gebet und Fasten verdeutlicht der Geistliche, dass überfordernde Regeln häufig zu Erschöpfung, Schuldgefühlen oder innerem Rückzug führen. Geistliche Nüchternheit bedeute, die eigenen Grenzen zu kennen und Gott nicht durch Überforderung zwingen zu wollen. Maßhalten sei keine Schwäche, sondern Ausdruck von Demut und geistlicher Ordnung.

Abschließend formuliert Priester Matthias Fröse drei Leitlinien der Väter: bei dem bleiben, was man treu erfüllen kann, sich nicht mit anderen vergleichen und von sich selbst nichts erwarten, was Gott nicht fordert. Christliches Leben bedeute nicht permanente Grenzüberschreitung, sondern tragbare Treue. Die Kirche sei ein Krankenhaus, kein Trainingslager – Heilung geschehe durch Regelmäßigkeit, nicht durch Heldentum.



Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbische Patriarch Porfirije in Belgrad den Johannistag gefeiert hatte.


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