Orthodoxe Bischöfe lehnten Idee einer „Bosnischen Orthodoxen Kirche“ ab
Die Serbische Orthodoxe Kirche weist Pläne für eine eigenständige „Bosnische Orthodoxe Kirche“ entschieden zurück (im Bild die Christ-Erlöser-Kathedrale in Banja Luka). Foto: Wikipedia/Saša Knežić
Zwei Bischöfe der Serbischen Orthodoxen Kirche in Bosnien-Herzegowina haben Überlegungen zur Gründung einer sogenannten „Bosnischen Orthodoxen Kirche“ entschieden abgelehnt. Sie sehen darin einen Versuch, bestehende kirchliche Strukturen zu delegitimieren und neue Spannungen im Land zu erzeugen. Darüber berichtete der Nachrichtendienst Östliche Kirchen am 15. Januar 2026.
Metropolit Fotije (Sladojević) von Zvornik und Tuzla sowie Bischof Sergije (Karanović) von Bihać und Petrovac kritisierten öffentlich Äußerungen des früheren bosnischen Reis-ul-ulema Mustafa Cerić, der für eine eigenständige bosnische orthodoxe Kirche plädiert hatte. Metropolit Fotije warf Cerić in einer Stellungnahme vor, über eine „Phantomgestalt“ zu sprechen und dabei die Serbische Orthodoxe Kirche zu ignorieren, die in Bosnien-Herzegowina seit Jahrhunderten legitim bestehe.
Metropolit Fotije zog zudem historische Parallelen zum Zweiten Weltkrieg, als im faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien eine „Kroatische Orthodoxe Kirche“ geschaffen worden sei, um Serben zunächst als „orthodoxe Kroaten“ und später als Katholiken zu assimilieren. Eine ähnliche Initiative würde, so der Metropolit, nicht Frieden, sondern neue Konflikte bringen und Erinnerungen an Verfolgung und Faschismus wachrufen.
Auch Bischof Sergije wies den Vorschlag in einem Beitrag entschieden zurück. Er beschuldigte Cerić, die Identität Bosnien-Herzegowinas umformen und letztlich die Existenz der Serbischen Orthodoxen Kirche beenden zu wollen. Kirchen würden nicht in Regierungsbüros gegründet, betonte er, und Bosnien-Herzegowina sei weder der Unabhängige Staat Kroatien noch die Ukraine. Eine „Bosnische Orthodoxe Kirche“ habe es historisch nie gegeben und werde es auch künftig nicht geben. Sergije rief die Islamische Gemeinschaft des Landes auf, sich von den Aussagen ihres früheren Oberhauptes zu distanzieren.
Der ehemalige Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in Bosnien und Herzegowina, Mustafa Cerić, hatte zuvor auf dem Nachrichtenportal „Slobodna Bosna“ argumentiert, Bosnien-Herzegowina bilde eine eigene historische, politische und spirituelle Einheit. Die Errichtung oder Erneuerung einer bosnischen autokephalen orthodoxen Kirche sei Ausdruck historischer Kontinuität und legitimer staatlicher Souveränität.
Autokephalie bedeute zudem keine Spaltung, sondern Verantwortung und Verwurzelung der Orthodoxie im bosnischen kulturellen Raum. Eine solche Kirche solle, so Cerić, nicht gegen andere gerichtet sein, sondern dem Frieden, der staatlichen Souveränität und der Würde orthodoxer Gläubiger dienen, die Bosnien-Herzegowina als ihre einzige Heimat verstehen.
Mustafa Cerić war von 1993 bis 2012 Reis-ul-ulema der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina. Dieses Amt entspricht dem obersten religiösen Führer der Muslime des Landes, vergleichbar mit einem Großmufti oder einem religiösen Oberhaupt mit erheblichem gesellschaftlichem und politischem Einfluss.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in Rumänien die heilige Nonne Elisabeta von Pasărea exhumiert wurde.
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