Anathemen als geistlicher Schutz – Bischof Irenei schließt Lehrreihe ab
Bischof Irenei von London und Westeuropa erläutert in der abschließenden Folge seiner Lehrreihe die letzten vier Anathemen des orthodoxen Glaubens.
Bischof Irenei von London und Westeuropa der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) veröffentlichte am 15. Januar 2026 den sechsten und letzten Teil seiner Lehrreihe über die Anathemen der orthodoxen Kirche. Darin erläutert er Sinn, historische Entwicklung und aktuelle Relevanz der letzten vier Anathemen des Ritus der Orthodoxie, die vor Abfall vom Glauben, kirchlicher Spaltung, Gewalt gegen die Kirche, Auflehnung gegen gottgegebene Ordnung sowie vor einem vermischenden Ökumenismus warnen. Die Betrachtungen des Bischofs werden in englischer Sprache auf dem YouTube-Kanal „Patristic Nectar“ eingestellt.
Zum Abschluss seiner Katechesen widmet sich Bischof Irenei den Anathemen 14 bis 17, die nach seinen Worten bewusst auf heutige Gefährdungen des kirchlichen Lebens zugeschnitten seien. Anathema 14 richtet sich gegen Apostasie, Häresie und Schisma. Der Bischof betont, dass kirchliche Spaltung kein harmloser Sonderweg sei, sondern den Menschen real vom Leib der Kirche abschneide. Besonders in einer Zeit wachsender Neigung zu unabhängigen kirchlichen Strukturen erinnere das Anathema daran, dass Orthodoxie untrennbar an die konkrete Gemeinschaft der Kirche gebunden sei.
Anathema 15 thematisiert die Verfolgung der Kirche und revolutionäre Gewalt. Zwar sei seine heutige Form stark von den Ereignissen der russischen Revolution des 20. Jahrhunderts geprägt, doch betreffe sein Inhalt jede Zeit. Gewalt gegen Geistliche, die Schändung heiliger Stätten oder die Rechtfertigung solcher Taten im Namen der Orthodoxie seien, so Irenei, ein Angriff auf Christus selbst und machten deutlich, wie zeitlos dieses Anathema sei.
Mit Anathema 16 greift der Bischof die Frage gottgegebener Autorität auf. Ausgehend vom Martyrium der russischen Zarenfamilie erinnert er an die orthodoxe Lehre von der göttlichen Salbung rechtmäßiger Herrscher. Diese bedeute keine Unfehlbarkeit, wohl aber eine besondere Verantwortung vor Gott. Das Anathema habe zugleich eine positive Funktion, indem es die Hoffnung auf gerechte, von Gott geführte Herrschaft wachhalte und zur beständigen Fürbitte aufrufe.
Den Abschluss bildet Anathema 17 gegen einen Ökumenismus, der Glaubensinhalte vermischt und andere Bekenntnisse der Orthodoxie gleichstellt. Gespräche mit Andersgläubigen seien legitim, betont Irenei, doch jede Vorstellung, Wahrheit entstehe erst durch das Zusammenführen verschiedener Glaubenssysteme, widerspreche dem Selbstverständnis der Kirche.
Die Anathemen dienten insgesamt nicht der Verurteilung, sondern dem Schutz der Gläubigen und der Einladung zur Umkehr. Abschließend unterstreicht der Bischof, dass nur Bischöfe im konziliaren Rahmen befugt seien, Anathemen zu verkünden, und ruft zu Vertrauen in die geistliche Führung der Kirche auf.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart erstmals auf die umstrittene ARD-Christmette reagierte.
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