„Orthodoxie lebt nicht vom Gefühl, sondern von der Wirklichkeit“

Priester Matthias Fröse sprach über geistliche Reifung und Treue im Alltag.  

In seinem achten thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) über die Erfahrung, dass der orthodoxe Glaube im Alltag stiller, vertrauter und scheinbar unspektakulär wird. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 12. Januar 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.

Priester Matthias Fröse beschreibt ein Phänomen, das viele gläubige Orthodoxe kennen: Nach einer anfänglich intensiven Phase des Glaubenslebens weichen emotionale Höhepunkte einer geistlichen Alltäglichkeit. Gebet, Liturgie und Fasten verlieren ihre spürbare Eindringlichkeit, was bei manchen Gläubigen Zweifel auslöst, ob ihr Glaube noch „echt“ sei oder nur noch aus Gewohnheit bestehe. Diese Frage sei, so der Geistliche, weder sündhaft noch ungewöhnlich, sondern ein seit den Kirchenvätern bekannter Abschnitt des geistlichen Weges.

Unter Bezug auf den heiligen Johannes Klimakos betont er, dass Gott den Menschen zu Beginn häufig durch Trost anzieht, ihn später jedoch durch Treue erzieht. Orthodoxes Christsein lebe nicht von Gefühlen, sondern von der Wirklichkeit des beständigen Weges. Routine sei daher kein Zeichen geistlichen Stillstands, sondern oft Ausdruck eines Glaubens, der im Leben angekommen ist und Verantwortung übernommen hat.

Anhand alltäglicher Beispiele – eines müden Morgengebets oder eines maßvollen Fastens ohne anfänglichen Eifer – verdeutlicht der Priester den Unterschied zwischen Trost und Reifung. Gefühle kämen und gingen, Treue hingegen bleibe. Ein verbreiteter Irrtum der Gegenwart bestehe darin, Gott nur dort zu vermuten, wo er emotional spürbar sei, während er im stillen, unscheinbaren Alltag oft am tiefsten wirke.

Abschließend ruft Priester Matthias Fröse zu geistlicher Nüchternheit auf: ohne Jagd nach Gefühlen, ohne Angst vor Stille und ohne Überforderung. Mit einem Wort des heiligen Theophan des Klausners ermutigt er dazu, in der gegebenen Ordnung zu bleiben. Ein ruhiger, alltäglicher Glaube sei kein Scheitern, sondern könne gerade der Ort sein, an dem Gott den Menschen nachhaltig formt.



Die UOJ berichtete zuvor, dass der zweite orthodoxe Jugendrat in Frankfurt geistliche Akzente setzte.

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