Patriarch Daniil: Geistliche Einheit steht über geopolitischen Spannungen

Patriarch Daniil von Bulgarien während seines Auftritts im Bulgarischen Nationalfernsehen – zum Jahresbeginn betonte er Gebet, kirchliche Einheit und den Wert traditioneller Friedensbesuche.

Patriarch Daniil von Bulgarien während seines Auftritts im Bulgarischen Nationalfernsehen – zum Jahresbeginn betonte er Gebet, kirchliche Einheit und den Wert traditioneller Friedensbesuche.

Der bulgarische Patriarch Daniil hat zum Beginn des neuen Jahres zu Gebet, Frieden und geistlicher Einheit aufgerufen. In einem Interview mit dem Bulgarischen Nationalfernsehen (BNT) betonte er, dass die Orthodoxe Kirche ihren Dienst auch in Zeiten globaler Konflikte als Verkündigung des göttlichen Friedens verstehe. Darüber berichtete das Patriarchat am 10. Januar 2026 auf seiner Webseite.

Am 1. Januar hätten Tausende orthodoxe Christen in Bulgarien das neue Jahr mit Fasten, Gebet und dem Empfang der Heiligen Kommunion begonnen, erklärte der Patriarch. Die Kirche bete in jedem Gottesdienst für den Frieden der Welt – nicht abstrakt, sondern als geistliche Aufgabe angesichts realer Kriege, Unsicherheiten und gesellschaftlicher Spannungen. Der wahre Friede beginne mit der inneren Umkehr und der Verbindung des Menschen mit Christus.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Patriarch Daniil auf seinen Friedensbesuch beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus in Konstantinopel, den er als festen Bestandteil der orthodoxen Tradition erläuterte. Nach der Wahl eines neuen Primas einer Ortskirche sei es üblich, sogenannte Friedensbriefe zu versenden und durch persönliche Besuche die apostolische Sukzession sowie die Einheit der Kirche zu bezeugen. Seit dem 20. Jahrhundert hätten sich diese Friedensbesuche als sichtbarer Ausdruck der organischen Verbundenheit der orthodoxen Ortskirchen etabliert. Daniil erklärte, er habe seinen ersten offiziellen Besuch bewusst im „ersten Bistum“, dem Patriarchat von Konstantinopel, begonnen, um die kirchliche Einheit öffentlich zu bezeugen.

In diesem Zusammenhang ging der Patriarch auch auf sensible kirchenpolitische Fragen ein, darunter den Status der orthodoxen Kirche in der Ukraine. Diese Themen seien in einem Geist des Respekts besprochen worden, wobei er die Position der Bulgarischen Orthodoxen Kirche klar und ohne äußeren Druck vertreten habe. Geistliche Einheit, so Daniil, dürfe nicht mit politischen oder geopolitischen Interessen verwechselt werden, sondern gründe allein in der gemeinsamen apostolischen Tradition und im kirchlichen Leben.

Abschließend richtete Patriarch Daniil eine Botschaft der Hoffnung an die Gläubigen in Bulgarien und weltweit. Orthodoxe Christen seien aufgerufen, sich nicht von Angst oder äußeren Gegensätzen leiten zu lassen, sondern nach innerer Freiheit und einem Leben in Christus zu streben. Seine Worte schloss er mit einem biblischen Zuspruch: „Habt keine Angst, kleine Herde. Gott ist mit uns und Er ist zu uns gekommen.“

Die UOJ berichtete zuvor, dass der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill in seinem traditionellen Weihnachtsinterview über Russland, Familie, Glaube und die Spannungen mit dem Westen sprach.

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