Patriarch Kyrill: „Moral wird unter dem Deckmantel der Freiheit zerstört“

Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland beim traditionellen Weihnachtsinterview: „Weihnachten verbindet uns mit Gott und stärkt unsere Familien und die Gesellschaft. Foto: Patriarchat

Am 7. Januar 2026 sprach Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland im traditionellen Weihnachtsinterview mit dem Fernsehsender Rossiya 1 über die aktuelle Lage Russlands im Verhältnis zum Westen, die Bedeutung der Familie und die spirituelle Kraft von Weihnachten. Dabei betonte das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche die Rolle moralischer und christlicher Werte als Grundlage für gesellschaftliche Stabilität und persönliche Erfüllung. Das Patriarchat veröffentlichte das vollständige Interview auf seiner Webseite.

Patriarch Kyrill erklärte, dass Russland heute eine Alternative zur westlichen Zivilisation darstelle, weil es den christlichen Glauben und traditionelle Werte nicht aus dem öffentlichen Leben verdränge. „Viele westliche Länder akzeptieren unter dem Slogan ‚Menschenrechte‘ Dinge, die tatsächlich auf die Zerstörung der menschlichen Moral abzielen“, so der Patriarch. „Moral wird unter dem Deckmantel der Freiheit zerstört“, warnte er und kritisierte den Rückgang ethischer Maßstäbe insbesondere unter jungen Menschen.

Der Hierarch hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung des kirchenslavischen Begriffs „Podvig“ – Opferbereitschaft und Asketentum – als Grundlage für persönliche Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor. Nur wer bereit sei, über das eigene Wohl hinaus für höhere Ziele einzutreten, könne echten Fortschritt erleben.

Zur Familie sagte der Patriarch, sie sei der Kern moralischer Stabilität. Angesichts der Ängste junger Menschen, Kinder zu bekommen, betonte er: „Nur für sich selbst zu leben ist ein sehr gefährliches Phänomen. Solidarität und gegenseitige Verantwortung halten die Gesellschaft stark.“ Die Kirche könne diese Tendenzen erkennen und mahne zur Pflege familiärer Bindungen.

Zum Weihnachtsfest erklärte Patriarch Kyrill, dass es weit über Geschenke hinausweise: „Weihnachten verbindet uns mit Gott. Wer an Ihn glaubt, erfährt Gottes moralisches Gesetz und kann Liebe und Verantwortung leben.“ Das Fest biete die Möglichkeit, Glauben und Familie zu stärken, gesellschaftliche Werte zu festigen und Hoffnung in herausfordernden Zeiten zu vermitteln.

Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbische Patriarch Porfirije die Familie als ersten Ort des Friedens würdigte.

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