Priester Matthias Fröse über geistliche Müdigkeit auf dem orthodoxen Weg

Priester Matthias Fröse spricht in einem Videobeitrag über geistliche Müdigkeit als Teil des orthodoxen Glaubensweges. Foto: Screenshot YouTube

In seinem siebten thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) über geistliche Müdigkeit als normale und notwendige Phase auf dem orthodoxen Glaubensweg. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 5. Januar 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.

Priester Matthias Fröse richtet sich mit seinem Beitrag insbesondere an Menschen, die neu zur Orthodoxie gefunden haben und nach einer anfänglichen Phase großer geistlicher Freude eine innere Erschöpfung erleben. Er beschreibt diese Erfahrung als weit verbreitet: Nach der ersten Begeisterung für Liturgie, Gebet und geistliche Texte lasse oft die emotionale Intensität nach. Dies werde nicht selten als persönliches Versagen missverstanden, sei jedoch kein Zeichen geistlichen Abfalls.

Der Priester betont, dass der orthodoxe Glaube nicht auf Gefühlen, sondern auf Treue gründe. Unter Bezug auf Kirchenväter wie den heiligen Ignatius Brjantschaninow und den heiligen Isaak den Syrer macht er deutlich, dass Gefühle kommen und gehen, während Beständigkeit das geistliche Leben trage. Müdigkeit könne sogar ein Zeichen dafür sein, dass der Glaube vom anfänglichen Trost in eine reifere Phase übergehe, in der Gott den Menschen ernst nehme.

Der Geistliche erklärt, dass Orthodoxie keine bloße Ergänzung des bisherigen Lebens sei, sondern eine tiefgreifende Umformung von Denken, Gewohnheiten und inneren Reaktionen. Diese Veränderung koste Kraft, insbesondere dort, wo alte Verhaltensmuster nicht mehr ungehindert wirken könnten. Der Alltag, nicht außergewöhnliche geistliche Höhepunkte, sei dabei der eigentliche Prüfstein des Glaubens.

Abschließend gibt der Priester vier konkrete Ratschläge für Zeiten anhaltender Müdigkeit: Vereinfachung der Gebetsregel, Regelmäßigkeit statt Intensität, Geduld mit sich selbst und das Vermeiden von Isolation durch Gespräche mit dem geistlichen Vater oder erfahrenen Gläubigen. Wachstum geschehe oft unsichtbar, so Fröse, und Christus verlange nicht spürbaren Fortschritt, sondern das Bleiben im Vertrauen.



Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzbischof Tichon von Rusa zum Weihnachtsfest an das einzigartige Geheimnis der Geburt Christi erinnerte und zu Glaube, Einheit und Liebe aufrief.

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