Junger Priester warb für realistische Erwartungen und Deutsch in der Kirche

Dr. Dejan Ristić ist seit einem Jahr Priester in der serbisch-orthodoxen Gemeinde Rosenheim. Im Kloster Hildesheim sprach er vor dem Klerus der Diözese über seine Erfahrungen in der Gemeindearbeit. Foto: Gemeinde

Bei einem Geistlichentreffen der serbisch-orthodoxen Diözese Düsseldorf und Deutschland unter Vorsitz von Metropolit Grigorije hat der Münchner Priester Dr. Dejan Ristić am 1. Januar 2026 Einblicke in sein erstes Jahr im Pfarrdienst gegeben. Im Mittelpunkt standen die gegenseitige Erwartungshaltung zwischen Gläubigen und Priestern sowie die wachsende Bedeutung der deutschen Sprache im kirchlichen Leben. Die deutsche Eparchie veröffentlichte den Vortrag auf ihrer Webseite.

Dr. Dejan Ristić, Priester am serbisch-orthodoxen Kirchenzentrum München und Pfarrer in der Außenstelle Rosenheim, schilderte seine Erfahrungen aus der Perspektive eines jungen Geistlichen. Er betonte, dass Hausbesuche bei Gläubigen eine besondere Nähe schaffen, zugleich aber klare Grenzen erforderten. Viele Gläubige erwarteten vom Priester schnelle Lösungen für komplexe Lebens- und Glaubensfragen. Eine zentrale seelsorgerliche Aufgabe bestehe daher darin, Erwartungen realistisch zu gestalten und die eigene Rolle nicht zu überhöhen, sondern vor allem zuzuhören und präsent zu sein.

Der Geistliche verwies darauf, dass sich pastorale Herausforderungen zunehmend aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belastungen ergäben. Existenzängste, berufliche Unsicherheit und Zukunftssorgen prägten das Lebensgefühl vieler Gemeindemitglieder. In solchen Situationen könne eine rein belehrende Verkündigung als lebensfremd wahrgenommen werden. Umso wichtiger sei es, dass Priester die konkreten Lebensumstände der Menschen ernst nähmen und Seelsorge nicht als schnelle Problemlösung, sondern als begleitenden Prozess verstünden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Frage der Sprache in der Kirche. Ristić berichtete von anfänglichen Vorbehalten gegenüber deutschsprachigen Gottesdiensten, verwies jedoch auf positive Erfahrungen in München. Gerade junge Menschen, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen seien, sowie interessierte Nicht-Orthodoxe könnten durch die Verwendung des Deutschen besser erreicht werden. Die Nutzung der Landessprache sei kein Identitätsverlust, sondern entspreche einem theologischen Grundprinzip der Kirche, das bereits an Pfingsten sowie im Wirken der heiligen Kyrill und Method sichtbar werde.

Im Blick auf die Situation der Orthodoxie in Deutschland betonte Ristić, dass die serbisch-orthodoxe Kirche längst kein reines Migrantenphänomen mehr sei. Angesichts mehrerer Migrationswellen und neuer Generationen trage sie Verantwortung als fester Bestandteil der religiösen Landschaft des Landes. Daraus ergebe sich langfristig auch die Notwendigkeit, kirchliches Leben sprachlich und kulturell so zu gestalten, dass es für die hier lebenden Menschen verständlich und zugänglich bleibe.

Abschließend unterstrich Ristić die zentrale Bedeutung der Liturgie als Herz des kirchlichen Lebens. Die Eucharistie sei nicht eine Aktivität unter vielen, sondern Quelle und Höhepunkt der Gemeinde. Eine sorgfältig gefeierte Liturgie mit verständlicher Sprache, Predigt und geistlicher Ästhetik habe eine starke pädagogische Wirkung und könne Menschen tiefer an die Kirche binden. Eine Pfarrei entwickle sich jedoch organisch und brauche Zeit, Geduld und Sensibilität – schnelle Reformen seien selten zielführend.

Die UOJ berichtete zuvor, dass zum Jahreswechsel zwei neue deutschsprachige orthodoxe Kalender für 2026 erschienen sind.

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