Wie Metropolit Antonij in schwieriger Zeit panorthodoxe Einheit bewahrte

Metropolit Antonij baute nach der Emigration der russischen Hierarchie maßgeblich die kirchlichen Strukturen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland auf. Foto: Gemälde von Mikhail Nesterov

In einem theologischen Aufsatz würdigt Erzpriester Valentin Asmus von der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) das Wirken Metropolit Antonijs (Chrapovickij) für die panorthodoxe Einheit. Anhand historischer Beispiele zeigt er, wie Metropolit Antonij in umstrittenen Fragen vermittelnd wirkte und kirchliche Gemeinschaft über nationale oder disziplinäre Interessen stellte. Der Beitrag wurde am 24. Dezember 2025 auf der Seite des Diözesanorgans „Der Bote“ veröffentlicht.

Metropolit Antonij, mit bürgerlichem Namen Aleksey Pavlovich Khrapovitsky (1863 – 1936), war ein russisch-orthodoxer Bischof und der Metropolit von Kiew und Galizien, der nach der Niederlage der weißen Armee 1920 ins Exil ging und sich in Sremski Karlovci (Serbien) niederließ. Er gilt als einer der Mitbegründer und ersten leitenden Hierarchen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, die kirchliche Strukturen für die russisch-orthodoxe Diaspora aufbaute.

Ausgangspunkt der Betrachtung von Erzpriester Valentin Asmus ist Metropolit Antonijs Haltung zur Stellung des Ökumenischen Patriarchats während des Ersten Weltkriegs. Als 1915 in Russland die Möglichkeit eines russischen Konstantinopels diskutiert wurde, setzte sich Antonij im Heiligen Synod entschieden für die Wahrung der Selbständigkeit des Konstantinopler Thrones ein. Seine Intervention verhinderte eine synodale Entscheidung, die die kirchliche Einheit belastet hätte.

Ein zweites Beispiel betrifft die Kalenderfrage nach dem Panorthodoxen Kongress von Konstantinopel 1923. Während Reformen kontrovers diskutiert wurden, verzichtete Metropolit Antonij auf öffentliche Verurteilungen und wirkte stattdessen durch persönliche Gespräche. Er lehnte den neuen Kalender zwar ab, betrachtete dessen Einführung jedoch nicht als Grund für einen Abbruch der kirchlichen Gemeinschaft, solange zentrale Glaubensinhalte – insbesondere die Osterrechnung – unberührt blieben.

Als drittes Themenfeld behandelt der Aufsatz die Frage des alttestamentlichen Kanons. Asmus zeichnet nach, wie es in der Orthodoxie historisch unterschiedliche Auffassungen gab und wie protestantische Einflüsse in der Russischen Kirche wirkten. Metropolit Antonij suchte hier einen panorthodoxen Ausgleich, indem er eine Formel prägte, die die traditionelle Terminologie beibehielt, ihr jedoch einen orthodoxen Sinn gab und so eine gemeinsame Lehrbasis ermöglichen sollte.

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Metropolit Antonij kirchliche Konflikte nicht durch Polarisierung, sondern durch Differenzierung, historische Sensibilität und den Vorrang der Einheit anging. Seine Haltung habe bis heute Vorbildcharakter für den Umgang mit panorthodoxen Herausforderungen.

Die UOJ berichtete zuvor, dass beim orthodoxen Winterseminar in München die Familie thematisch im Mittelpunkt stehen wird.

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