Berliner Veranstaltung wollte Weihnachten entkolonialisieren
In Berlin sorgte der Versuch, die Weihnachtsgeschichte neu zu deuten, für Empörung. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart
Die vom Berliner Forum der Religionen organisierte, „interreligiöse und rassismuskritische“ Führung „Decolonizing Christmas“ (Weihnachten entkolonialisieren) in der Friedenskirche Charlottenburg hat eine breite öffentliche Debatte ausgelöst – mit deutlich gegensätzlichen Reaktionen aus Politik, Medien und der Zivilgesellschaft. Darüber berichtete u. a. die Berliner Zeitung.
Am Montag (8. Dezember 2025) führte die islamische Theologin Gökçe Aydın gemeinsam mit dem evangelischen Theologiestudenten Bastian Schmidt zum Auftakt der Veranstaltung durch einen interaktiven „Weihnachtsgarten“, in dem klassische Elemente der Weihnachtsgeschichte aus historischen und postkolonialen Perspektiven betrachtet wurden. Ziel war es laut den Veranstaltern, „koloniale und diskriminierende Bilder und Narrative zu hinterfragen und Weihnachten als inklusives Fest zu reflektieren“ (Bericht).
Die Debatte um das Projekt geriet schnell in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), kritisierte das Vorhaben scharf: In einem Beitrag auf der Plattform X bezeichnete er Veranstaltungen wie „Decolonizing Christmas“ als überflüssig und forderte Aufklärung von der zuständigen Kultursenatorin. Er betonte, dass Weihnachten ein „Fest der Liebe und eines unserer höchsten christlichen Feste“ sei und somit nicht politisiert werden solle.
Wegners Kritik schloss sich an einen medienkritischen Diskurs an, in dem insbesondere das Springer-Medium „Die Welt“ stark vertreten war und die Veranstaltung als Versuch wertete, Weihnachten abzuschaffen oder zu delegitimieren. Das brachte weitere Kritik aus der Öffentlichkeit ein, wonach hier konservative Ressentiments und eine überzogene „War on Christmas“-Rhetorik bedient würden.
Seyran Ateş, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, äußerte sich ebenfalls ablehnend: Sie sah in dem Projekt einen Versuch, das Christentum zu „deinstallieren“ – ein Vorwurf, der von den Veranstaltern zurückgewiesen wurde.
Die zuständige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, unterstützt von der CDU) verteidigte die Förderung des Projekts durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie erklärte, der Vorwurf, Weihnachten abschaffen zu wollen, gehe „völlig an den Inhalten der Veranstaltung vorbei“ und betonte gleichzeitig ihren eigenen Respekt vor der christlichen Tradition.
Wegen einer Welle von diffamierenden und aggressiven E-Mails sowie Bedrohungen gegen die muslimischen Referierenden wurde die für den 15. Dezember geplante Folgeveranstaltung abgesagt. Die Organisatoren betonten, ihr Ziel sei ein kooperativer, dialogischer Austausch gewesen, der durch die heftigen Reaktionen erschwert worden sei.
Das Berliner Forum der Religionen ist ein interreligiöses Netzwerk, das seit 2014 den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Berlin fördert. Es organisiert Bildungs- und Begegnungsformate zu Religion, Gesellschaft und Zusammenhalt und wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unterstützt.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Bischof Johannes in Sofia vor Ökumenismus ohne Buße gewarnt hatte.
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