Abt Nikodemus: „Christen im Heiligen Land fühlen sich alleingelassen“
Abt Nikodemus Schnabel spricht von wachsender Bedrängnis der christlichen Minderheit und mahnt zu mehr Schutz der Religionsfreiheit auch in Deutschland.
In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtenportal domradio.de berichtet Abt Nikodemus Schnabel OSB am Mittwoch, dem 19. November 2025, über die angespannte Situation im Heiligen Land, die zunehmende Gewalt gegen christliche Minderheiten und die Bedeutung der Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht. Trotz leichter Entspannung bleibe die Lage unsicher, so der Vorsteher der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem.
Abt Nikodemus Schnabel beschreibt die Situation im Heiligen Land nach der vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas als „fragil“. Zwar sei das tägliche Töten beendet, doch von wirklichem Frieden könne keine Rede sein. Die Menschen atmeten auf, blieben aber von Unsicherheit geprägt. Besonders die Gewalt von Siedlergruppen in der Westbank habe sich verschärft und treffe christliche Gemeinden hart, etwa im palästinensischen Dorf Taybeh.
Die Christen seien mit einem Bevölkerungsanteil von nur rund 1,8 Prozent eine „winzige Minderheit“, die sich zunehmend allein gelassen fühle. Während weltweit lautstarke Solidaritätsbekundungen jüdische und muslimische Anliegen begleiteten, erlebten viele Christen, dass ihre eigene Lage kaum wahrgenommen werde. Diese Unsichtbarkeit habe tiefe Verletzungen hinterlassen.
Trotz der Risiken seien Schnabel und viele andere Geistliche bewusst geblieben. Ihnen seien Menschen anvertraut, betont er, und dieses Verantwortungsgefühl habe zahlreiche kirchliche Mitarbeiter, Ordensleute und Helfer selbst in gefährlichsten Momenten zum Ausharren bewegt. Auch das Personal der Dormitio und von Tabgha habe man gehalten, obwohl Pilger ausblieben und Arbeitskräfte wirtschaftlich kaum gebraucht wurden.
Mit Blick auf den „Red Wednesday“ erinnert Schnabel daran, dass Religionsfreiheit ein fundamentales Menschenrecht sei, das häufig unterschätzt werde. Besonders in Deutschland, so seine Beobachtung, werde der Begriff auf die negative Freiheit reduziert, vor Religion in Ruhe gelassen zu werden. Die positive Religionsfreiheit – den Glauben öffentlich leben zu dürfen – werde dagegen kaum verstanden. Wo Religionsfreiheit eingeschränkt sei, litten meist auch andere Grundrechte.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Pilgerführer und Buchautor Johannes Zang vor dem Verschwinden der Christen aus dem Heiligen Land warnte.
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