Erzpriester André Sikojev: „Politische Diskussionen sind weitgehend sinnlos“
Erzpriester André Sikojev sprach in Moskau über die Entwicklung der deutschen ROKA-Diözese und die Bedeutung des kirchlichen Lebens für Gläubige in Westeuropa.
Am Mittwoch, dem 12. November 2025, sprach Erzpriester André Sikojev, Geistlicher der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA), im Rahmen der Veranstaltung „Govorim“ („Lasst uns diskutieren“) im Sretensky-Stavropighial-Kloster in Moskau über die Gründung und die aktuelle Situation der Diözese in Deutschland. Darüber berichtete das Kloster auf seiner Webseite.
Anlass war der bevorstehende 100. Geburtstag der deutschen ROKA-Diözese, deren Entstehung eng mit den historischen Ereignissen der Februarrevolution 1917 und den Folgen des russischen Bürgerkriegs verbunden ist. Die politische Umwälzung hatte Millionen von Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, wodurch die Notwendigkeit entstand, eine kirchliche Struktur für die russischen Emigranten im Westen zu schaffen.
Erzpriester André Sikojev erinnerte daran, dass gemäß einem Dekret des Patriarchen Tichon der Metropolit Antonius (Chrapowizki) zum ersten Vorsitzenden der Bischofssynode der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland ernannt wurde. Dabei lud der Priester die Zuhörer ein, das Leben des Heiligen Johannes von Shanghai als Beispiel für den Aufbau der kirchlichen Gemeinschaften im Exil zu studieren.
In seinem Vortrag betonte der Geistliche aus Berlin, dass die deutschen Gemeinden trotz der politischen Herausforderungen und gesellschaftlicher Veränderungen eine wachsende Zahl junger Gläubiger verzeichnen, die aktiv den Weg zu Gott suchen. Bemerkenswert sei, dass auch Mitglieder katholischer und evangelischer Gemeinden, die keine Mitgliedsbeiträge zahlen möchten, regelmäßig an den Gottesdiensten teilnehmen. Diese Entwicklung zeige, dass die Kirche weiterhin ein spirituelles Zentrum für Gläubige und Suchende bildet.
Gleichzeitig machte der Priester auf die wachsenden Schwierigkeiten aufmerksam: Der gesellschaftliche und politische Druck nehme zu, die Geschichte werde verzerrt, Wahrheiten durch Lügen ersetzt, und die Möglichkeiten, außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft Widerstand zu leisten, seien begrenzt.
Erzpriester André Sikojev unterstrich die zentrale Rolle der Sakramente, der Gottesdienste und des Gebets: Diese seien der primäre Weg, durch den sich Menschen geistlich wandeln und ihren Glauben vertiefen könnten, unabhängig von äußeren Konflikten oder ideologischen Auseinandersetzungen. Politische Diskussionen seien in diesem Zusammenhang weitgehend sinnlos, da wahre Veränderung im Leben der Menschen vor allem durch die persönliche Beziehung zu Christus und die Teilnahme am kirchlichen Leben geschieht.
Darüber hinaus lenkte Erzpriester André Sikojev die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf die globale Lage und die geistlichen Herausforderungen der Gegenwart. Er forderte zur Selbstreflexion auf: „Auch der Herr prüft uns: Wo stehen wir? Auf welcher Seite des Kreuzes stehen wir? Gehören wir zu denen, die den Herrn verspotten, zu denen, denen es gleichgültig ist, oder zu den Aposteln, den Myrrhenträgerinnen und der Mutter Gottes selbst?“
Der Priester hob hervor, dass es die Aufgabe jedes Christen sei, aktiv zu beten, zu dienen und an alle Türen zu klopfen, um den Glauben zu leben und den Menschen den Weg zu Gott zu eröffnen.
Abschließend verband Sikojeff die historische Perspektive mit der aktuellen Mission der Kirche in Deutschland: Die ROKA-Diözese soll nicht nur das geistliche Erbe der russischen Emigranten bewahren, sondern auch auf die modernen Herausforderungen reagieren. Dies umfasse die pastorale Betreuung der Gläubigen, die Stärkung der Gemeinschaft und die Förderung des Glaubens bei jungen Menschen, die oft zwischen gesellschaftlicher Säkularisierung und religiösem Erbe stehen. Die Kirche sei daher gefordert, sowohl ihre Tradition zu bewahren als auch flexibel auf die Bedürfnisse der Gläubigen im 21. Jahrhundert einzugehen (Video der Veranstaltung in russischer Sprache hier).
Die UOJ berichtete zuvor, dass sich die ROKA-Diözesanzeitschrift „Der Bote“ in der neuen Ausgabe zentralen Fragen der Orthodoxie widmet.
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