Vom Taufbecken des Hl. Wladimirs zu der Kristallkugel einer „Hofhexe“: Astrologen an der Macht?
Okkulte Tendenzen im Umfeld des ukrainischen Präsidentenbüros als Symptom einer geistlichen Krise.
Am 13. Mai 2026 wurden während einer Sitzung des Hohen Antikorruptionsgerichts der Ukraine erstmals öffentlich Details aus Chats des ehemaligen Leiters des ukrainischen Präsidentenbüros, Andriy Yermak, mit einem Kontakt namens „Veronika Feng-Shui Office“ bekannt. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft soll es dabei um Personalentscheidungen und astrologische Beratungen gegangen sein.
Die bekannt gewordenen Berichte über astrologische und okkulte Neigungen im Umfeld ukrainischer Machtzirkel könnten Stoff für einen politischen Roman Dostojewskijs bieten – wären sie nicht zugleich Ausdruck einer tiefen geistlichen Krise.
Zwischen einem sogenannten „Feng Shui Office“, astrologischen Konsultationen und dem Einfluss einer gewissen Veronika Anikievisch (Danilenko) entsteht ein Bild, das viele orthodoxe Christen verstört. Während öffentlich von europäischen Werten, Rationalität und Demokratie gesprochen wird, scheint hinter den Kulissen teilweise ein Milieu zu wirken, das eher an spätimperiale Dekadenz oder an die irrationalen Kulte totalitärer Systeme erinnert.
„Yermaks Wahrsagerin“ und das „Feng Shui Office“
Laut internationalen Medienberichten tauchte Veronika Anikievisch in Gerichtsunterlagen als Kontaktperson auf, mit der Andriy Yermak angeblich über staatliche Personalentscheidungen sprach. In einigen Medien wurde sie als „Veronika Feng-Shui“ oder sogar als „Yermaks Wahrsagerin“ bezeichnet.
Gleichzeitig muss betont werden: Bislang existieren keine Beweise dafür, dass die ukrainische Staatsführung offiziell okkulte Praktiken oder „schwarze Magie“ betreibt. Die bisherigen Informationen beruhen auf Aussagen der Staatsanwaltschaft und Medienrecherchen.
Dennoch bleibt die grundlegende Frage bestehen: Warum konsultieren politische Eliten überhaupt Astrologen und Wahrsager? Warum erscheinen Begriffe wie „Feng-Shui Office“ im Zusammenhang mit staatlichen Personalentscheidungen?
Selbst wenn man sensationelle Übertreibungen ausblendet, bleibt ein geistliches Symptom sichtbar – die Flucht der Macht in das Irrationale.
Nicht Horoskope, sondern Umkehr
Aus orthodoxer Sicht beginnt der Verfall einer Gesellschaft nicht erst mit wirtschaftlichen oder militärischen Krisen, sondern mit dem Verlust geistlicher Orientierung.
Wenn politische Macht beginnt, sich von Astrologen, Wahrsagern oder quasimagischen Weltbildern faszinieren zu lassen, ist dies oft Zeichen einer inneren Leere.
Die europäische Geschichte kennt dieses Muster nur zu gut: das spätrömische Reich, dekadente Renaissancehöfe, okkulte Zirkel der Moderne und die pseudomystischen Träume totalitärer Regime.
Für die Orthodoxe Kirche lautet die Antwort darauf..
- Nicht politische Mystik, sondern Umkehr.
- Nicht Sternendeutung, sondern Gebet.
- Nicht „universelle Energien“, sondern die ungeschaffenen Energien Gottes.
- Nicht Hofastrologen, sondern geistliche Väter.
- Nicht Horoskope, Runen und Feng Shui, sondern das Kreuz Christi.
Denn am Ende zerfallen alle okkulten Systeme an ihrer eigenen Finsternis. Die Kirche hingegen hat Imperien, Ideologien und Diktaturen überlebt – nicht wegen politischer Macht, sondern weil sie auf etwas gegründet ist, das älter und stärker ist als jeder Zeitgeist.
Die orthodoxe Sicht auf Astrologie und Magie
Für orthodoxe Christen ist dies keine harmlose Exzentrik. Die Kirche hat seit apostolischer Zeit Wahrsagerei, Astrologie und Magie klar verworfen.
Der orthodoxe Mensch glaubt an die Vorsehung Gottes – nicht an Sternbilder, „Energiefelder“ oder okkulte Rituale.
Der heilige Johannes Chrysostomos verurteilte Astrologie und Wahrsagerei.
Sie erforschen den Himmel, verlieren aber ihre eigene Seele.
— Heiliger Johannes Chrysostomos über Astrologen
Die Kirchenväter warnten immer wieder davor, dass der Wunsch nach verborgenem Wissen außerhalb Gottes den Menschen geistlich in die Irre führt.
Historische Parallelen
Die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt, dass totalitäre Systeme häufig pseudoreligiöse Kulte entwickelten und sich für mystische Theorien begeisterten. Historiker erinnern in diesem Zusammenhang oft an Heinrich Himmler und die Organisation „Ahnenerbe“, die sich intensiv mit germanischer Mythologie, Esoterik und okkulten Ideen beschäftigten.
Der Mensch bleibt ein religiöses Wesen: Wenn er Gott verliert, beginnt er, Ideologien, Mythen oder neue Formen des Heidentums anzubeten.
Vor dem Hintergrund des Drucks auf die UOK
Viele orthodoxe Christen empfinden diese Entwicklungen besonders bedrückend vor dem Hintergrund des anhaltenden Drucks auf die kanonische Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK).
Mönche werden durchsucht, Kirchen verlieren Besitzrechte, Priester geraten unter Generalverdacht – während zugleich Berichte über Astrologen in den Machtzentren kursieren. Für viele Gläubige wirkt das wie eine bittere Parabel unserer Zeit: Die Liturgie wird verdächtigt, aber die Esoterik hofiert. Der Weihrauch des Altars gilt als gefährlich, doch der Rauch astrologischer „Energieberater“ scheint akzeptabel.
Der Sarkasmus drängt sich beinahe von selbst auf. Vielleicht braucht man heute keinen Heiligen Synod mehr, sondern ein Horoskopbüro neben dem Präsidentenpalast. Vielleicht werden künftig Ministerposten nicht mehr nach Kompetenz, sondern nach Merkurstellung vergeben. Der Generalstab konsultiert dann Mondphasen, während die alte Großmutter in der Dorfkirche als „Gefahr für die nationale Sicherheit“ gilt, weil sie weiterhin den kanonischen Metropoliten erwähnt.