Patriarch Porfirije: Gottesliebe zeigt sich in der Liebe zum Nächsten
Zum 90. Jahrestag der ersten Liturgie in der Kirche der Heiligen Kyrill und Method in Ljubljana rief der Patriarch zu Vergebung, Versöhnung und Nächstenliebe auf.
Am Sonntag, dem 13. September 2026, hat der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije in der Kirche der Heiligen Kyrill und Method in Ljubljana die Göttliche Liturgie gefeiert und dort gepredigt. Anlass war das 90-jährige Jubiläum der ersten Liturgie an diesem Ort, wie das Patriarchat berichtete.
Zu Beginn seiner Predigt bezeichnete Patriarch Porfirije das Jubiläum als großen Segen für den heiligen Ort, die Kirche, die Stadt Ljubljana und insbesondere das orthodoxe serbische Volk. Die Kirche sei den heiligen Brüdern Kyrill und Method geweiht, die aus ihrem eigenen Volk hervorgegangen seien, jedoch die Grenzen ihrer Herkunft und Sprache überschritten hätten, um den Namen Jesu Christi zu den slawischen Völkern zu bringen.
Kyrill und Method hätten den Menschen dabei nicht lediglich eine neue Sprache vermittelt, sondern ihnen mit dem christlichen Glauben auch das „Neue Wort“, Jesus Christus, gebracht. Dadurch seien die Menschen dazu berufen worden, in Christus Gemeinschaft zu haben, eins zu werden und einander in Liebe anzunehmen und zu bereichern.
Im Mittelpunkt der Predigt stand das Doppelgebot der Liebe. Patriarch Porfirije verwies auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot des Gesetzes und erinnerte daran, dass Jesus Christus zwei Gebote als Zusammenfassung des gesamten Gesetzes hervorgehoben habe: Gott mit dem ganzen Wesen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst.
Der Patriarch betonte, dass Christus im Zentrum des menschlichen Lebens stehen müsse. Reichtum, Ruhm, Erfolg, die eigene Person oder auch die Liebe zu Familienangehörigen dürften nicht an die Stelle Gottes treten. Selbst Dinge, die an sich wertvoll seien, könnten den Menschen nicht dauerhaft erfüllen, wenn sie nicht mit der Liebe zu Gott verbunden seien.
Wenn dagegen Christus und die Liebe zu ihm an erster Stelle stünden, erhielten auch die anderen Dinge des Lebens ihren bleibenden Wert, sagte der Hierarch. Deshalb solle der Mensch auch bei seinen persönlichen Anliegen beten und zugleich anerkennen: „Herr, dein Wille geschehe, nicht mein Wille.“
Die tatsächliche Liebe zu Gott zeige sich nach den Worten des Patriarchen im Verhältnis zu den Mitmenschen. Es reiche nicht aus, von der Liebe zur Menschheit im Allgemeinen zu sprechen. Sie müsse sich vielmehr in konkreten Beziehungen bewähren – insbesondere in der Bereitschaft, einem Menschen zu vergeben, der einen verletzt oder sogar hasst, ihn zu verstehen und ihm Barmherzigkeit zu erweisen.
Wer seinem Nächsten Gutes tue, zeige damit zugleich, dass Christus tatsächlich im Zentrum seines Lebens stehe. Auch der Wunsch nach Frieden könne nicht allein auf einer allgemeinen Ebene verwirklicht werden. Der Weg zum Frieden beginne mit der Versöhnung mit dem eigenen Nächsten, mit Vergebung und der Bereitschaft, selbst um Vergebung zu bitten.
Besondere Bedeutung maß der Patriarch der Familie bei. Sie sei die „wichtigste Schule des Lebens“. In ihr zeige sich, ob die Liebe zu Christus tatsächlich das Fundament des menschlichen Lebens bilde. Wissenschaft, Bildung und akademische Titel könnten diese grundlegende Erfahrung nicht ersetzen.
Zur Erläuterung des Zusammenhangs von Gottes- und Nächstenliebe verwies der Patriarch auf ein Bild des Mönchsvaters Abba Dorotheus. Dieser habe Gott als Mittelpunkt eines Kreises beschrieben, während die Menschen sich am Rand befänden. Je näher ein Mensch der Mitte komme, also Gott, desto näher komme er zugleich den anderen Menschen. Die Nähe zu Gott führe deshalb notwendig zu einer größeren Nähe zum Nächsten.
Zum Abschluss bezeichnete Porfirije die Kirche der Heiligen Kyrill und Method als einen Ort der Liebe, des Friedens und der Versöhnung – mit Gott, mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der ganzen Welt. Jeder Mensch sei als Ebenbild Gottes geschaffen und deshalb dazu bestimmt, geachtet und geliebt zu werden.
Der Patriarch rief die Gläubigen in der slowenischen Hauptstadt dazu auf, die Kirche weiterhin mit Gebet, Frieden, Freude und Liebe aufzusuchen und für sich selbst, ihre Nächsten, die ganze Welt sowie das Land zu beten, das dem orthodoxen serbischen Volk Liebe und Gastfreundschaft erwiesen habe und weiterhin erweise.
Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.