Priester Daniel Schärer: „Die Mauer zwischen uns und Gott abreißen“
Der Geistliche sprach in Zürich über das Gleichnis vom reichen Jüngling und rief dazu auf, die asketische Tradition der Kirche zu pflegen.
In seiner Predigt am Sonntag, dem 23. August 2026, hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich über das Gleichnis vom reichen Jüngling gesprochen und dazu aufgerufen, die asketische Tradition der Kirche bewusst zu pflegen und Hindernisse zwischen dem Menschen und Gott abzubauen. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal.
Priester Daniel Schärer betonte zunächst die tröstliche und hoffnungsvolle Botschaft des Evangeliums (Mt 19,16-26): Was dem Menschen unmöglich sei, sei bei Gott möglich. Zugleich gehe es in der Geschichte vom reichen Jüngling nicht allein um die Gnade und Allmacht Gottes, sondern auch um die „Symphonie“, also das Zusammenwirken von Gott und Mensch. Der Jüngling habe trotz seiner Erkenntnis und seines guten Willens die Vollendung nicht erreicht, weil sein Reichtum wie eine Mauer zwischen ihm und Gott gestanden habe.
Als Beispiele für ein solches Zusammenwirken von Mensch und Gott verwies Schärer auf die Heiligen, deren gedacht wurde. Die Neumärtyrer und Bekenner von Solowki hätten selbst unter schwersten Bedingungen Gott über alles gestellt. Auch die Heiligen von Valaam hätten in großer Entbehrung ihr Leben Gott gewidmet. Von dort sei das geistliche Zeugnis bis nach Amerika gelangt, unter anderem durch den heiligen Herman von Alaska.
Auch der heilige Laurentius, ein Diakon und Märtyrer, habe seine Liebe zu Gott über alles gestellt. Als er vom Präfekten aufgefordert worden sei, die Reichtümer der Kirche auszuliefern, habe er die Armen versammelt und sie als die „Reichtümer der Kirche“ präsentiert. Sein Mut sei aus der Verbindung von menschlichem Handeln und Gottes Hilfe erwachsen.
Zugleich warnte Schärer vor einem modernen Missverständnis dieser „Symphonie“. Die bloße Entscheidung für Christus reiche nicht aus, um das eigene Leben grundlegend zu verändern. Der reiche Jüngling habe Jesus als den erkannt, der er ist, und seine Gebote beachtet, sei aber dennoch nicht bereit gewesen, auf seinen Reichtum zu verzichten.
Der Gesitliche bezog diese Aussage auch auf sich selbst und bekannte, dass die Erkenntnis Christi als Erlöser allein nur wenig bewirke, wenn der Mensch weiterhin Hindernisse zwischen sich und Gott aufbaue. Deshalb rief er dazu auf, die asketische Tradition der Kirche lebendig zu halten. Fasten und andere geistliche Mittel könnten helfen, Stolz, Reichtum und andere Bindungen abzubauen und so den Weg für die Zusammenarbeit mit Gott freizumachen.
Die lange Erfahrung der Kirche zeige, dass der menschliche Wille allein nicht ausreiche. Vielmehr müsse der Mensch an sich arbeiten und die ihm von der Kirche gegebenen Mittel nutzen, um sich Gott anzunähern. So könne er – anders als der reiche Jüngling – Christus nachfolgen und den Weg mit Gott gehen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Metropolit Serafim in einer Predigt erklärte: „Die höchste Kultur der Menschheit ist die orthodoxe Liturgie der Kirche.“