„Glaube ist mehr als Wissen“: Predigt über Vertrauen und radikale Nachfolge
Erzpriester Matthias Zierenberg predigte am Allerheiligen-Sonntag in Wiesbaden. Archivfoto: Gemeinde
In seiner Predigt am Allerheiligen-Sonntag (7. Juni 2026) sprach Erzpriester Matthias Zierenberg von der deutschsprachigen serbisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Lubentius in Limburg-Dietkirchen über das Verhältnis von Glauben und Wissen sowie die Konsequenzen einer radikalen Christusnachfolge im Licht des Matthäusevangeliums. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal. Der Geistliche zelebrierte an diesem Sonntag bei der serbischen Gemeinde in Wiesbaden.
Ausgehend vom zehnten Kapitel des Matthäusevangeliums stellte Erzpriester Matthias Zierenberg klar, dass Glaube nicht als bloßes „Weniger an Wissen“ missverstanden werden dürfe. Vielmehr sei Glaube „Wissen und Vertrauen“ zugleich und äußere sich im Bekenntnis und in konkretem Handeln. Der Begriff selbst gehe auf „Gelöbnis“ zurück und impliziere eine verbindliche, existenzielle Entscheidung – vergleichbar mit einem Treueversprechen, das den ganzen Menschen fordere.
Kritisch setzte sich der Geistliche mit einem überhöhten Verständnis von Wissen auseinander. Dies könne zwar Erkenntnisse liefern, sei aber weder wertneutral noch ausreichend, um Sinn zu stiften. Der Erzpriester warnte davor, dass Wissen zur Ideologie oder gar zur „Ersatzreligion“ werde – etwa im Kontext moderner Technologien wie Künstlicher Intelligenz, die mit Heilsversprechen aufgeladen würden. Die entscheidende Frage bleibe daher: „Wem vertraue ich?“
Im Zentrum der Predigt stand der Ruf Christi zur bedingungslosen Nachfolge. Diese verlange ein öffentliches Bekenntnis, das auch Konflikte mit gesellschaftlichen Erwartungen einschließen könne. Weder staatliche Autorität noch familiäre Bindungen dürften über die Beziehung zu Gott gestellt werden, wenn sie dem Glauben widerspricht. Die Bereitschaft, „das Kreuz auf sich zu nehmen“, bedeutet auch, eigene Sicherheiten aufzugeben.
Abschließend unterstrich der Geistliche, dass Glaube ein wachsender Prozess sei, der durch die Gnade Gottes getragen werde. Das Bekenntnis zu Christus entscheide sich nicht in einzelnen Momenten, sondern im täglichen Leben. Wer Christus nachfolge, dürfe auf eine eschatologische Verheißung vertrauen: dass Christus selbst den Gläubigen vor dem himmlischen Vater bekenne.
Die UOJ berichtete zuvor, dass ein neuer Abt im Kloster von Paleokastritissa auf Korfu inthronisiert wurde.
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