In Köln wurde über die Rolle der Kirchengemeinde als Zentrum des christlichen Lebens gesprochen
Priester Alexej Veselov und Erzpriester Pavel Velikanov trafen orthodoxe Jugendliche in Köln. Foto: UOJ
Heute, am 4. Juni, fand von 9:00 bis 11:00 Uhr in der Gemeinde des heiligen Großmärtyrers und Heilers Panteleimon der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) in Köln ein Treffen zum Thema „Die Kirchengemeinde als Lebensmittelpunkt des Christen“ statt.
Mit den Teilnehmern sprachen Priester Alexej Veselov aus Krefeld und Erzpriester Pawel Welikanow. Vater Alexej ist Vorsteher der Kirche der heiligen Großmärtyrerin Barbara in Krefeld, Referent der Jugendabteilung und der Liturgischen Kommission der Berlin-Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche sowie einer der bekanntesten orthodoxen Missionare im deutschsprachigen Raum. Zu seinen Projekten gehören unter anderem Orthpedia, die Orthodoxe Theologische Fernschule und deutschsprachige YouTube-Kanäle zur Orthodoxie.
Erzpriester Pavel Velikanov ist Priester der Russischen Orthodoxen Kirche, orthodoxer Theologe, Publizist und Seelsorger, Kandidat der Theologie sowie Dozent an der Moskauer Geistlichen Akademie. Von 2007 bis 2021 war er Chefredakteur des wissenschaftlich-theologischen Portals „Bogoslov.ru“. Außerdem betreibt er einen eigenen YouTube-Kanal. In Köln ergänzte er den Vortrag durch Beispiele aus der pastoralen Praxis, aus dem Gemeindeleben und aus Erfahrungen des freiwilligen Dienstes an Kranken und Hilfsbedürftigen.
Treffen in der Gemeinde des heiligen Panteleimon
Die Veranstaltung fand in der Kirche des heiligen Großmärtyrers und Heilers Panteleimon in Köln statt. Sie war in ein geselliges Beisammensein eingebettet: Vor und nach dem Vortrag kamen die Teilnehmer bei Essen und Kaffee miteinander ins Gespräch.
Zusammengekommen waren orthodoxe Christen aus verschiedenen Gemeinden und Traditionen – darunter russisch-orthodoxe, griechisch-orthodoxe und antiochenisch-orthodoxe Gläubige. Unter den Teilnehmern waren Russen, Ukrainer, Deutsche, Griechen, Kurden, Nigerianer und Inder. Der Vortrag wurde auf Deutsch gehalten und gleichzeitig über Kopfhörer ins Russische übersetzt. Die Begegnung wurde gefilmt.
Die Kirche als lebendige Gemeinschaft in Christus
Vater Alexej erklärte, dass die meisten Menschen der Orthodoxie zunächst in der Kirche und durch die Pfarrgemeinde begegnen. Aus dem gemeinsamen Gebet, der Katechese, den Gottesdiensten, Gesprächen und Mahlzeiten könne mit der Zeit eine wirkliche geistliche Gemeinschaft entstehen.
Er erinnerte daran, dass die Kirche nicht nur ein Gebäude, eine Lehre oder eine gemeinsame Tätigkeit sei. Kirche bedeute die Gemeinschaft der lebenden und verstorbenen Christen in Christus: Christus sei das Haupt, die Gläubigen seien Sein Leib. Die kleinste Kirche sei in diesem Sinn die Familie, danach komme die Gemeinde und schließlich die ganze Fülle der Kirche.
Die Kommunion als Mittelpunkt
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Kommunion. Vater Alexej betonte, dass der Mensch durch die Heilige Kommunion auf besondere Weise mit Christus verbunden werde. Deshalb solle die Eucharistie der Mittelpunkt des christlichen Lebens sein.
Äußere Aktivität, Dienste in der Gemeinde oder ein moralisch gutes Leben könnten die Teilnahme an den Sakramenten nicht ersetzen. Eine Gemeinde bleibe nur dann wirklich lebendig, wenn Christus und das eucharistische Leben in ihrem Zentrum stehen.
Gemeinschaft gegen Einsamkeit
Ein wichtiger Teil des Treffens war die Frage, wie Gemeinde Einsamkeit überwinden kann. Vater Alexej sagte, Gemeinschaft beginne dort, wo Menschen einander kennenlernen und lernen, einander in Liebe anzunehmen.
Die Gemeinde solle ein Ort sein, an dem einsame Menschen, Neuankömmlinge, Außenseiter und Gläubige aus anderen kulturellen oder nationalen Hintergründen Unterstützung finden. In der Kirche dürfe es keine Einteilung in „Eigene“ und „Fremde“ geben, weil alle Menschen der Hilfe, Umkehr und geistlichen Stärkung bedürfen.
Vater Alexej sprach auch über junge Menschen in der Orthodoxie. Nach seiner Beobachtung kommen heute viele junge Menschen in orthodoxe Kirchen – darunter Deutsche ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund. Doch nicht alle finden sofort ihren Platz in der Gemeinde.
Deshalb sei es wichtig, sich nicht auf den bloßen Gottesdienstbesuch zu beschränken, sondern echte christliche Beziehungen aufzubauen und aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen.
Freiheit und geistliche Autorität
Erzpriester Pavel Velikanov betonte, dass eine gesunde Gemeinde die Persönlichkeit des Menschen nicht unterdrücken dürfe. Geistliche Autorität sei notwendig, dürfe aber nicht dazu führen, dass Menschen zu einer „grauen Masse“ werden oder ihre Freiheit verlieren.
Eine lebendige Gemeinde müsse vielfältig sein, mit anderen Gemeinden verbunden bleiben und zugleich in Christus verwurzelt sein. Geistliche Autorität solle helfen, im Glauben zu wachsen, nicht eine geschlossene Subkultur oder einen Verein nach menschlichen Interessen zu schaffen.
Als Beispiel erzählte Erzpriester Pavel von einer Gemeinschaft in Russland, die in einem Krankenhaus gelähmten, alten und bewegungseingeschränkten Menschen half. Die Helfer arbeiteten freiwillig und ohne Bezahlung. Gerade durch diesen gemeinsamen Dienst sei echte christliche Gemeinschaft gewachsen.
Dieses Beispiel zeigte, dass Gemeindeleben nicht nur aus Gottesdiensten, Gesprächen und Veranstaltungen besteht, sondern auch aus Werken der Barmherzigkeit und konkreter Hilfe für den Nächsten.
Der persönliche Beitrag jedes Einzelnen
Zum Abschluss gab Vater Alexej den Teilnehmern eine „kleine Hausaufgabe“: Jeder solle darüber nachdenken, wie er sich persönlich in das Leben der Gemeinde einbringen könne – durch Hilfe im Gottesdienst, Reinigung der Kirche, Unterstützung anderer Menschen oder eine andere Form des Dienstes.
Nach dem Vortrag bedankten sich die Teilnehmer bei Vater Alexej für seinen Beitrag. Anschließend fuhr die Gruppe gemeinsam mit öffentlichen Verkehrsmitteln und privaten Autos nach Brühl zu den Schlössern Augustusburg und Falkenlust, wo das Programm mit Gruppenaufgaben und einer Erkundung der Schlossgeschichte fortgesetzt wurde.
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