Predigt zum Thomassonntag: Zweifel als Weg zu reifem Glauben
Die Predigt zum Thomassonntag von Priester Konstantin Anikin thematisierte Zweifel als zentralen Bestandteil eines lebendigen Glaubensweges.
Zum Thomas-Sonntag, dem 19. April 2026, predigte Priester Konstantin Anikin in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin über die geistliche Rolle von Zweifel im Glaubensleben und die Gefahr eines oberflächlichen, nur auf Selbstvertrauen gegründeten Glaubens. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Im Zentrum der Predigt stand die biblische Figur des Apostels Thomas, dessen Zweifel nicht als Schwäche, sondern als Ausgangspunkt eines tieferen Glaubens verstanden wurde. Priester Konstantin Anikin betonte, dass Zweifel den Menschen im geistlichen Leben begleite und sogar notwendig sei, um eigene Grenzen zu erkennen und sich nicht auf die eigene Kraft zu verlassen.
Im Gegensatz zu modernen Vorstellungen, die Selbstvertrauen und Erfolg in den Vordergrund stellen, verwies der Priester auf das Beispiel der Apostel, die nach dem Tod Christi zunächst orientierungslos und ohne Vertrauen in sich selbst gewesen seien. Gerade dieses Eingeständnis der eigenen Schwäche öffne den Raum für das Vertrauen auf Gott.
Der Geistliche warnte zugleich vor einem „schnellen Glauben“, der ohne innere Verwurzelung entstehe und ebenso rasch wieder verschwinden könne. Wahres geistliches Wachstum geschehe schrittweise, oft begleitet von Fragen, Rückschlägen und inneren Kämpfen. Zweifel könne dabei zum Motor eines gefestigten Glaubens werden, sofern er nicht in grundsätzlichen Unglauben umschlage.
Abschließend unterstrich der Prediger, dass ein authentischer Glaube sich im Leben bewähren müsse. Wer die Auferstehung Christi bekenne, müsse auch entsprechend leben. Die Kirche sei der Ort, an dem dieser Glaube erfahrbar werde und reifen könne.
Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.
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