Thomassonntag und Prozession mit Erzbischof Tichon in Berlin
Erzbischof Tichon bei der Prozession am Thomassonntag in der Berliner Auferstehungskathedrale.
Am zweiten Sonntag nach Ostern, dem Thomassonntag, zelebrierte Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche, die Göttliche Liturgie in der Auferstehungskathedrale. Zugleich beging die Kathedrale am Vorabend ihr Patronatsfest, das traditionell in die österliche Festzeit fällt, wie die Diözese auf ihrer Webseite berichtete.
In seiner Predigt deutete Erzbischof Tichon die Gestalt des Apostels Thomas nicht als bloßen Zweifler, sondern als Wahrheitsuchenden, dessen Verlangen nach Gewissheit aus einer existenziellen Bindung an Christus erwächst. Der Zweifel erscheine dabei nicht als Gegensatz zum Glauben, sondern als dessen Durchgangsstadium: Erst in der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Herrn finde Thomas zur vollen Erkenntnis und bekenne ihn als „Mein Herr und mein Gott“. Damit werde deutlich, dass echter Glaube nicht auf äußerem Sehen beruhe, sondern auf der inneren Annahme der göttlichen Wirklichkeit.
Zugleich hob der Erzbischof hervor, dass Christus selbst den Weg vom Sehen zum Glauben öffnet, indem er jene seligpreist, die ohne eigene Anschauung glauben. Diese Seligpreisung richte sich unmittelbar an die Gläubigen aller Zeiten. In Momenten des Zweifels, der inneren Verhärtung oder geistlichen Unsicherheit sei daher die Rückkehr zum Evangelium entscheidend, das als Zeugnis der Augenzeugen die lebendige Grundlage des Glaubens bilde und den Menschen in die Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus führe.
Die Osterzeit, so Erzbischof Tichon weiter, sei keine bloße Erinnerung, sondern eine fortdauernde Gegenwart der Auferstehung im Leben der Kirche. Wer sich dieser Wirklichkeit öffne, finde Halt, Sinn und geistliche Standhaftigkeit auch in Prüfungen. Der Glaube werde so zur tragenden Kraft, die den Menschen über Zweifel und Vergänglichkeit hinausführt.
Im Anschluss an die Liturgie fand eine feierliche Prozession um die Kathedrale statt. Die Gemeinde beging das Patronatsfest in österlicher Freude und schloss den Festtag mit einer gemeinsamen Mahlzeit ab.
Die UOJ berichtete zuvor vom Münchner „Marsch fürs Leben“ 2026.
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