Zwischen Zweifel und Bekenntnis: Predigt über den Apostel Thomas
Diakon Igor Willimowski bei seiner Predigt am Thomassonntag in der St.-Barbara-Kirche zu Krefeld.
Am Thomassonntag, dem 19. April 2026, predigte Diakon Igor Willimowski in der russisch-orthodoxen St.-Barbara-Kirche zu Krefeld über den Zweifel des Apostels Thomas als geistlichen Weg zur Gewissheit sowie über die bleibende Vollmacht der Kirche zur Sündenvergebung. Die Gemeinde veröffentlichte die Ansprache auf ihrem YouTube-Kanal.
Ausgehend von der Evangeliumslesung (Joh 20, 19–31) stellte Diakon Igor Willimowski die Begegnung des Apostels Thomas mit dem auferstandenen Christus in den Mittelpunkt. Thomas, der zunächst Zweifel hegte, gelangt durch die Berührung der Wundmale zum klaren Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott“. Diese biblische Szene sei kein Einzelfall, sondern spiegele die geistliche Erfahrung vieler Gläubiger wider, die nach Gewissheit suchen und auch im Glauben Anfechtungen erleben.
Zweifel seien dabei nicht grundsätzlich negativ zu bewerten, betonte der Geistliche. Vielmehr könne ein durchlebter und überwundener Zweifel den Glauben vertiefen und festigen. Entscheidend sei ein offenes Herz, das Gottes Wirken zulässt. Als Beispiel verwies der Prediger auf das Gebet des Vaters eines kranken Kindes: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben“ – ein Ausdruck ehrlicher Hinwendung zu Gott inmitten innerer Unsicherheit.
Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt lag auf der Erscheinung Christi vor den Aposteln hinter verschlossenen Türen. Trotz ihres Versagens bei der Kreuzigung begegnet Christus ihnen mit dem Friedensgruß und überträgt ihnen die Vollmacht zur Sündenvergebung. In diesem Akt sieht die orthodoxe Tradition den Ursprung des kirchlichen Priestertums und der Sakramente, insbesondere der Beichte.
Diese Vollmacht, so der Diakon, werde in der Kirche durch die apostolische Sukzession weitergegeben: von den Aposteln über die Bischöfe bis zu den heutigen Priestern. Daraus ergebe sich die bleibende geistliche Verantwortung der kirchlichen Hirten, die – wie im Hebräerbrief betont – für die ihnen anvertrauten Seelen Rechenschaft ablegen müssen.
Die UOJ berichtete zuvor vom Münchner „Marsch fürs Leben“ 2026.
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