Orthodoxe Mission: Zwischen passiver Trägheit und „Internet-Apologetik“
Der Vortrag von Niklas-Adrian Rack thematisiert das Spannungsfeld zwischen traditionellem Missionsverständnis der Orthodoxie und neuen digitalen Formen religiöser Debatten.
Der YouTube-Kanal OrthMedien des Orthodoxen Informationszentrums um Priester Alexej Veselov aus Krefeld hat am 10. März 2026 ein neues Video zum Thema Mission veröffentlicht. Niklas-Adrian Rack warnt darin vor zwei Fehlentwicklungen im missionarischen Selbstverständnis der Orthodoxie und plädiert für ein Zeugnis in Demut, Erfahrung und kirchlicher Einbindung.
In dem Videovortrag beschäftigt sich Niklas-Adrian Rack mit der Frage, warum die orthodoxe Kirche im Vergleich zu anderen christlichen Gemeinschaften oft als wenig missionarisch wahrgenommen wird. Der Beitrag wurde für Online-Formate rund um orthodoxe Themen ausgearbeitet und nimmt zwei gegensätzliche Entwicklungen in den Blick, die nach Ansicht des Referenten gleichermaßen problematisch sind.
Rack beschreibt zunächst eine verbreitete Haltung innerhalb orthodoxer Kreise, nach der Mission kaum notwendig sei, da Menschen von selbst zur Kirche finden müssten. Diese Auffassung widerspreche jedoch sowohl dem Missionsauftrag des Evangeliums als auch der historischen Erfahrung der Kirche. Ohne die aktive Verkündigung der Apostel wäre das Christentum keine Weltkirche geworden. Die Kirche verstehe sich als „Krankenhaus der Seelen“ und sei daher verpflichtet, Menschen aktiv mit der heilenden Botschaft des Glaubens zu erreichen.
Zugleich verweist der Referent auf praktische Hindernisse für Suchende, etwa Sprachbarrieren in Gemeinden oder mangelnde Erklärung der liturgischen Symbolik. Viele Menschen verstünden die orthodoxe Liturgie ohne Einführung kaum, was den Zugang erschwere. Mission bedeute deshalb auch, den Glauben verständlich zu vermitteln und Menschen in eine lebendige Beziehung zur Kirche zu führen.
Als gegenteiliges Extrem kritisiert Rack einen ungeordneten missionarischen Eifer im Internet. Besonders neue Katechumenen versuchten häufig ohne geistlichen Segen oder ausreichende Erfahrung, als Apologeten aufzutreten und hitzige Debatten zu führen. Dabei werde die orthodoxe Lehre oft auf rationalistische Argumentationen reduziert, während das geistliche Leben, die kirchliche Tradition und die geistliche Autorität von Priestern und Bischöfen zu wenig berücksichtigt würden.
Nach Ansicht des Referenten kann authentische Mission nur aus persönlicher geistlicher Praxis entstehen. Wer selbst Gebet, Fasten und das sakramentale Leben erfahre, könne glaubwürdig Zeugnis geben. Wahres missionarisches Handeln liege daher zwischen den beiden Extremen: weder in passiver Zurückhaltung noch in selbsternannter Internet-Apologetik, sondern in Demut, Gehorsam gegenüber der Kirche und einem liebevollen Gespräch mit den Menschen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Priester Matthias Fröse in einem neuen Video über das Thema Vergebung sprach, die kein Verlust, sondern eine Befreiung sei.
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