Metropolit Irinej sprach über Konsum, Moral und den Zerfall des Westens
Metropolit Irinej von Bačka refektierte über die Herausforderungen der Zeit.
Am 18. Januar 2026 veröffentlichte das serbische Patriarchat das zweite Teil des Weihnachtsinterviews mit Metropolit Dr. Irinej von Bačka im Magazin Pečat. Der Metropolit beleuchtet darin die tiefgreifende Krise des Westens, die geopolitische Rolle Russlands und die Herausforderungen der modernen Gesellschaft.
Metropolit Irinej beschreibt den Westen als politisch und ideologisch gespalten. Spannungen zwischen Brüssel und Washington offenbaren eine innere Krise, die über Machtpolitik hinausgeht.
Kritisch äußert er sich zur dominanten Konsum- und Wirtschaftsideologie: „Die Vorstellung, dass sich moralisches Übel und kultureller Müll durch Konsum und Wirtschaftswachstum in etwas Gutes verwandeln lassen, mag ökonomisch richtig sein, ist aber ontologisch fatal.“ Diese Philosophie untergrabe ethische und spirituelle Grundlagen der Gesellschaft, verzerrt zentrale Begriffe wie Familie, Staat und Kirche und erschwere politischen Konsens und zwischenmenschliches Verständnis.
Die Ukraine-Krise interpretiert der Geistliche nicht als rein militärische Auseinandersetzung, sondern als zivilisatorischen Konflikt: Die „russische Bedrohung“ bestehe vor allem in der Existenz eines souveränen Russland mit anderen kulturellen und moralischen Mustern. Dies stelle den Westen vor die Frage, ob wirtschaftlicher Erfolg ohne ethische Basis überhaupt tragfähig sei.
Zudem warnt der Metropolit vor den Folgen technologischer Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz, die Arbeit ersetzen und die menschliche Freiheit einschränken könnten. Bildung müsse diese Veränderungen kritisch begleiten. Ungerechtigkeit und moralischer Verfall ließen sich nicht allein politisch lösen, sondern erforderten das persönliche Engagement jedes Einzelnen in einem Leben in Christus.
Besonders betont das geistliche Oberhaupt der Diözese Bačka mit Sitz in Novi Sad die Bedeutung traditioneller Werte und moralischer Verantwortung: Gesellschaften, die die metaphysischen Grundlagen ihres Zusammenlebens vernachlässigen, verlieren nicht nur Orientierung, sondern riskieren langfristig ihre kulturelle und politische Stabilität. Nur durch die Pflege von Familie, Glauben, Gemeinschaft und ethischem Bewusstsein könne der Mensch dem moralischen Verfall entgegentreten und eine tragfähige Zivilisation erhalten.
Die Diözese Bačka ist eine der ältesten und traditionsreichsten in Serbien und umfasst zahlreiche Gemeinden, Klöster und Bildungsinstitutionen. Metropolit Irinej gilt als führender Intellektueller der serbischen Kirche und ist bekannt für seine theologischen Schriften und Predigten. Er verbindet in seiner Arbeit die Bewahrung orthodoxer Traditionen mit sozialer Verantwortung.
Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbische Patriarch Porfirije in Belgrad den Johannistag gefeiert hatte.
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