Priester Dejan Ristić: „Der Mensch ist zur Gemeinschaft mit Gott berufen“

Priester Dr. Dejan Ristić predigte in Rosenheim. Archivfoto: Gemeinde

Am Sonntag vor Theophanie, dem 18. Januar 2026, predigte Priester Dr. Dejan Ristić in der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Rosenheim über das Geheimnis der Menschwerdung Christi, die Taufe am Jordan und die geistliche Berufung des Menschen. Grundlage der Auslegung war das Evangelium nach Markus (1,1–8). Die deutsche Eparchie veröffentlichte die Predigt auf ihrer Webseite.

Ausgehend vom Beginn des Markusevangeliums stellte Priester Dr. Dejan Ristić Johannes den Täufer als „Stimme eines Rufers in der Wüste“ in den Mittelpunkt. Die Wüste deutete er nicht als geografischen Ort, sondern als inneren Zustand des Menschen, in dem Selbsttäuschungen zerbrechen und die Wahrheit über das eigene Leben sichtbar wird. Johannes sei nicht das Licht selbst, sondern dessen Zeuge, der den Blick konsequent von sich weg auf Christus lenke und so den Weg für die Begegnung mit Gott bereite.

Die Geburt Christi und sein freiwilliges Stehen im Jordan beschrieb der Priester als Ausdruck der radikalen Nähe Gottes zum Menschen. In diesen Ereignissen werde die Würde der menschlichen Natur offenbar: Der Mensch sei nicht nur Geschöpf, sondern zur Gemeinschaft mit Gott berufen. Diese Gleichheit bestehe nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gnade – als Beziehung, in der Gott den Menschen anspricht und eine Antwort erwartet.

Zentral war der Ruf zur Buße, die der Geistliche nicht als bloße moralische Korrektur, sondern als tiefgreifende Wandlung des Seins verstand. Sünde sei ein Zustand der Entfremdung von der eigenen Berufung, Buße hingegen der Weg zurück zur inneren Einheit von Herz, Vernunft und Leben. Erst diese innere Umkehr öffne den Menschen für die Taufe mit dem Heiligen Geist, von der Johannes im Markusevangelium spricht.

Abschließend weitete der Priester den Blick auf die gesamte Schöpfung. Die Taufe Christi im Jordan sei ein kosmisches Ereignis, in dem sich Ungeschaffenes und Geschaffenes begegnen. Das gesegnete Wasser werde zum Zeichen einer neuen Schöpfung, in der die Zukunft der Welt von der Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch abhänge. Wo diese Gemeinschaft gelebt werde, beginne bereits in der Geschichte das Reich Gottes.

Die UOJ berichtete zuvor, dass Altvater Johannes von Buchhagen über zentrale Missverständnisse zur Orthodoxie, das Verhältnis von Kirche und persönlichem Glauben, die Bedeutung der Sakramente sowie über Ikonenverehrung sprach.

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