Tagungsbericht: „Leibhaftig leben“ zwischen Medizin und Ewigkeit
Orthodoxe Geistliche, Ärzte und Laien diskutierten über Leib, Seele und moderne Medizin. Foto: freepic.com
Die fünfte öffentliche Tagung der Gesellschaft Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa (DOM) brachte im September 2025 im Kloster Unterufhausen mehr als 60 Teilnehmer zusammen und widmete sich dem Thema „‚Leibhaftig‘ leben – Zwischen moderner Medizin und kirchlicher Ewigkeit“. Die Webseite „Der Bote“, Mitteilungsorgan der deutschen Diözese der russischen Auslandskirche, veröffentlichte dazu am 13. Januar 2026 einen ausführlichen Tagungsbericht.
Vom 5. bis 7. September 2025 fand in der Verkündigungs-St.-Justin-Einsiedelei Unterufhausen die fünfte DOM-Tagung statt. Gastgeber war Schema-Archimandrit Justin, der geistlich einführte. DOM-Vorsitzender Erzpriester Stefan eröffnete die Tagung. Insgesamt nahmen 64 Besucher teil, darunter elf Referenten aus Theologie, Medizin und Seelsorge. Ziel war es, aktuelle medizinische und gesellschaftliche Fragen im Licht orthodoxer Anthropologie und Eschatologie zu reflektieren.
Einen zentralen Akzent setzte Bischof Hiob von Stuttgart der russischen Auslandskirche, ein regelmäßiger Referent der DOM. Er stellte gleich zu Beginn die Frage nach dem Tod zwischen medizinischer Definition und kirchlichem Verständnis. Während die moderne Medizin den Tod meist über messbare Kriterien wie Herz- oder Hirnfunktionsausfall bestimme, betone die Orthodoxe Kirche den Tod als Trennung von Seele und Leib. Ausführlich erläuterte Bischof Hiob die liturgische und geistliche Begleitung des Sterbens und die daraus folgende Frage, „wie man richtig stirbt“. Sein Vortrag spannte den Bogen von Wiederbelebungsdebatten und Organentnahme bis zur orthodoxen Ehrfurcht vor dem Mysterium des Todes.
Es folgten Beiträge aus medizinischer und psychologischer Praxis: Die Heidelberger Ärztin Claudia Podasca sprach zur Organspende und zu ethischen Gewissensfragen, Erzpriester Ilya Limberger über Psychiatrie, Psychologie und orthodoxe Seelsorge. Priester Athanasie Ulea thematisierte Askese und modernen Gesundheitswahn.
Am Samstagnachmittag referierte Cornelia Hayes über „Optimierungs-Medizin“ im Licht des heiligen Maximus Confessor; sie hatte zuvor bereits den verhinderten Vortrag von Erzpriester Mihail Rahr zu psychischen und geistlichen Anfechtungen verlesen. Hayes hob dabei besonders den Konflikt zwischen technischer Leistungssteigerung und dem orthodoxen Ziel der Vergöttlichung hervor.
Der Sonntag stand im Zeichen gesellschaftlicher Zukunftsfragen. Silouan Kiefer setzte sich kritisch mit Transhumanismus auseinander, Helena Nemelka sprach über Traumata und geistliche Heilung, Inna Schleis über Gender-Ideologie aus medizinischer und orthodoxer Perspektive.
Ein geistliches Schlusswort sprach Mutter Andrea aus der Einsiedelei. Sie betonte, dass wahre Heilung Vergebung, Umkehr und die Hinwendung zu Christus voraussetze.
Die UOJ berichtete zuvor, dass das Hilfswerk „Open Doors“ einen neuen Höchststand der Christenverfolgung registrierte.
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