Grenzen der Nächstenliebe: Wenn Helfen zur Überforderung wird

Priester Matthias Fröse erläutert in einem Videobeitrag, warum christliche Nächstenliebe Maß und klare Grenzen braucht.

In seinem sechsten thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über die Frage, wie christliche Nächstenliebe gelebt werden kann, ohne in Selbstüberforderung und Erschöpfung zu führen – etwa im Umgang mit psychisch erkrankten Angehörigen oder Freunden.. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 30. Dezember 2025 auf ihrem YouTube-Kanal.

Ausgehend von der Erfahrung vieler Gläubiger, die sich im familiären oder seelsorgerlichen Umfeld bis an die eigenen Grenzen engagieren, betont der Geistliche, dass Helfen zum christlichen Leben gehört, jedoch nicht mit Selbstaufgabe verwechselt werden darf. Christus fordere die Liebe zum Nächsten „wie zu sich selbst“ – darin liege die Anerkennung der eigenen Begrenztheit. Hilfe ohne Maß sei geistlich problematisch und könne sowohl dem Helfenden als auch dem Hilfebedürftigen schaden, wie bereits die Kirchenväter mahnten.

Der Priester beschreibt klare geistliche, seelische und körperliche Anzeichen von Überforderung: erschwertes Gebet, innere Gereiztheit, Bitterkeit, Erschöpfung und der Verlust von Raum für Familie und geistliches Leben. Grenzen zu ziehen sei daher kein Versagen, sondern Ausdruck von Wahrheit und Reife. Christliche Liebe müsse wahrhaftig sein und dürfe offen benennen, was man leisten könne – und was nicht.

Besonderes Gewicht legt Priester Matthias Fröse auf die Art, wie Grenzen kommuniziert werden: ruhig, klar und ohne Schuldzuweisung. Grenzen richteten sich nicht gegen den erkrankten Menschen, sondern beschrieben die eigenen Möglichkeiten. Anhand konkreter Beispiele zeigt er, wie Verantwortung geteilt werden kann, ohne Beziehungen abzubrechen, und warum einmal gesetzte Grenzen Bestand haben dürfen – auch wenn sie zunächst auf Widerstand stoßen.

Abschließend unterstreicht der Priester, dass professionelle Hilfe, Selbsthilfegruppen und im Ernstfall auch Kriseninterventionen kein Mangel an Glauben seien, sondern verantwortlicher Dienst am Leben. Gebet und Liturgie ergänzten diese Hilfen, indem sie Selbstüberschätzung heilten und den Menschen daran erinnerten, Teil des Leibes Christi zu sein. Christliche Liebe, so das Fazit, sei treu und hingebungsvoll, aber niemals selbstzerstörerisch.



Die UOJ berichtete zuvor, dass im neuen Baptisterium des orthodoxen Kirchenzentrums München eine erste Taufe stattfand.

Lesen Sie auch

Priester Daniel Schärer: Die Herrlichkeit Gottes im Nächsten erkennen

Der Geistliche erinnerte in Zürich daran, trotz menschlicher Schwächen und Fehler die Würde des Mitmenschen zu sehen und ihn in christlicher Liebe anzunehmen.

Ex-EU-Kommissar fordert Estland auf, Eingriffe in Kirchenfragen zu stoppen

Der ehemalige EU-Kommissar erklärte, dass der Druck auf die Kirche die religiöse Entscheidung der Bürger in eine Frage staatlicher Loyalität verwandle.

Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem „Marsch für Jesus“ in Wien

Christen verschiedener Konfessionen setzten in der Innenstadt Zeichen für Glauben, Einheit und Frieden.

Ingolstädter Gemeinde beging das Fest der Geburt der Gottesmutter

Die ROKA-Gemeinde in Ingolstadt erinnerte an die Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin und veröffentlichte ein Troparion.

Metropolit Johannes feierte Patronatsfest der Alexander-Newski-Kathedrale

Die Erzdiözese der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa beging in Paris den Gedenktag des Großfürsten Alexander Newski.

Diakon Igor Willimowski: Gott erwartet den Einsatz unserer Talente

In einer Predigt zum Gleichnis von den anvertrauten Talenten erinnerte der Geistliche an die Verantwortung, die mit den von Gott empfangenen Gaben verbunden ist.