„Zeit ist ein Geschenk, kein Besitz“ – Priester Matthias Fröse predigte in Mainz

Die deutschsprachige russisch-orthodoxe Gemeinde Mainz versammelt sich sonntags mit Priester Matthias Fröse zur Heiligen Liturgie in der Jakobuskirche. Foto: Screenshot YouTube

Die deutschsprachige russisch-orthodoxe Gemeinde Mainz versammelt sich sonntags mit Priester Matthias Fröse zur Heiligen Liturgie in der Jakobuskirche. Foto: Screenshot YouTube

In seiner Predigt zum 14. Sonntag nach Pfingsten, dem 14. September 2025, sprach Priester Matthias Fröse von der deutschsprachigen Russisch-Orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus in Mainz (ROK) über Beginn und Bedeutung des neuen Kirchenjahres. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Priester Matthias Fröse betonte in seiner Predigt die Bedeutung der Zeit als Gabe Gottes. Die Kirche leite das Jahr nicht mit äußeren Planungen ein, sondern mit einer geistlichen Ausrichtung: Gebet, Umkehr und Hinwendung zur Sendung Christi stünden im Zentrum. „Zeit wird uns geschenkt“, sagte der Geistliche – und mit ihr auch die Frage: Wozu schenkt uns Gott dieses neue Jahr?

Im Mittelpunkt der Predigt standen die biblischen Lesungen des Tages: 1. Tim 2,1–7 und Lk 4,16–22. Der Apostel Paulus mahne darin zum umfassenden Gebet für alle Menschen, auch für Obrigkeiten – selbst in schwierigen Zeiten. Das Gebet sei laut Priester Matthias Fröse nicht bloß religiöse Pflicht, sondern ein Hineintreten in die Mittlerschaft Christi, „der sich selbst als Lösegeld gegeben hat für alle“. Nur durch das Gebet könne die Grundlage allen christlichen Handelns gelegt werden.

Bewegend interpretierte Vater Matthias Fröse die Szene aus dem Lukasevangelium, in der Christus seine Sendung in der Synagoge verkündet: „Heute ist diese Schrift erfüllt“. Diese Zusage betreffe nicht nur die Vergangenheit oder ferne Zukunft, sondern gelte dem heutigen Hörer. Das neue Kirchenjahr sei daher keine bloße Wiederholung, sondern ein „Gnadenjahr des Herrn“ – eine erneute Einladung zur Umkehr, zur Heilung und zur Befreiung.

„Wer von uns ist nicht arm, nicht blind, nicht gefangen?“, fragte er rhetorisch. Jeder Mensch trage geistliche Schwächen, und genau dort wolle Christus wirken. Diese Heilung sei zugleich Auftrag: selbst Bote der frohen Botschaft zu werden, insbesondere gegenüber den Armen, Einsamen, Kranken und Vergessenen.

Abschließend zitierte er den Heiligen Basilius den Großen: „Gott wird dich nicht fragen, wie viele Tage du gelebt hast, sondern wie du sie gefüllt hast.“ Darin liege der Ernst des neuen Jahres – aber auch seine Freude: Christus sei mit uns, und er begleite uns mit seiner Gnade. Der Geistliche rief dazu auf, das Jahr im Gebet, in der Bereitschaft zur Heilung und im Zeugnis der Hoffnung zu leben – dann werde die geschenkte Zeit nicht verloren sein, sondern erfüllt von Licht und Gnade.



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