Woran erinnert sich Johanns Herz?

Veselin Djeletovićs Buch „Johanns serbisches Herz“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es erzählt die Geschichte einer serbischen Familie, der einzigen Überlebenden in einem fast ausgelöschten Dorf.

Es ist aber auch die Geschichte eines Deutschen, Johann, der das Herz eines 1999 im Kosovo und Metohija entführten Serben in sich trägt.

Der Schriftsteller begegnete Johann 2004 auf den Ruinen eines serbischen Friedhofs im Dorf Kosovo und erfuhr eine erstaunliche Geschichte.

Erinnert sich das Herz? Erkennt es die Landschaften und Menschen wieder, die es liebte, selbst nachdem es ein Leben beendet und in der Brust eines anderen Menschen ein völlig neues Leben beginnt?

Diese und ähnliche Fragen stellte sich Johann Wagner lange Zeit, ein Deutscher adliger Herkunft, ein Gutsbesitzer, in dessen Brust das Herz der Serben aus Kosovo und Metohija schlug.

Nach einer erfolgreichen Herztransplantation beginnt Wagner von unbekannten Orten zu träumen, einer orthodoxen Kirche, einem Landhaus. Das Bild eines blauäugigen Jungen erscheint vor seinen Augen. Mit der Zeit verwandeln sich die Träume in einen Albtraum aus Kriegsbildern, und Johann, der ihnen auf der Spur ist, gelangt ins Kosovo. Wagner war entschlossen, die Identität des Spenders aufzudecken.

„Er dachte, der Mann hätte sein Herz verkauft. Er wusste nicht einmal, dass der Mann entführt worden war. Er kannte die Einzelheiten nicht, kam aber trotzdem, um der Familie finanziell zu helfen, denn er ist reich. Die Begegnung mit dem Jungen war bahnbrechend und brachte die Wahrheit ans Licht. Er hatte dieses Kind nie gesehen und sagt, das Herz habe ihm nicht aus der Brust springen wollen; er wollte die Geschichte nicht einmal erzählen“, sagt Djeletović.

Bei dieser ersten Begegnung geschah aber etwas: Die Herzen schienen sich zu erkennen … Erst als die Mutter des Jungen kurz darauf starb, konvertierte der Deutsche Johann Wagner zum orthodoxen Glauben und adoptierte das Kind.

Der Autor dieses wahren Zeugnisses vom Leid der Serben im Kosovo und Metohija, Veselin Djeletović, beschrieb diese herzzerreißende Geschichte zunächst in einem Gedicht und später in einem Roman. Dieser Roman ist auch in russischer Übersetzung erschienen.

Mit diesem Roman thematisierte Djeletović das schmerzhafte Thema des Organhandels, das berüchtigte „Gelbe Haus“ und das allgemeine Leid der Serben, das bis heute anhält.

Lesen Sie auch

Zorn und Stille: Mit welchem Gesicht wird uns Gott am Ende der Zeit begegnen?

Wir stehen vor zwei Abgründen: dem wilden Wirbelwind Michelangelos und dem sanften Blick des ehrwürdigen Andreas. Zwei Gesichter Christi – zwei Wahrheiten, die wir in den Feuern der Prüfungen erforschen werden.

Heiliger „Müll“: Liturgischer Kelch aus einer Konservendose

Eine rostige Fischkonservendose im Museum. Für die Welt ist sie Müll. Für die Kirche ist sie ein Heiligtum, das kostbarer ist als Gold.

Der Märtyrer-Exarch: Wie Nikiforos (Paras'che) wegen seiner Tapferkeit getötet wurde

Warschau, 1597. Ein Grieche wird wegen Spionage angeklagt. Es gibt keine Beweise, aber er wird trotzdem verurteilt. Er hat vor dem Kirchengericht gewonnen und damit sein eigenes Urteil besiegelt.

Die Ästhetik der Zuflucht: Warum kehrt das Christentum immer wieder in die Katakomben zurück?

Prächtige Kathedralen sind nur die vorübergehende Hülle der Kirche. Ihr wahres Wesen sind die Katakomben. Wenn wir in Kellerräume getrieben werden, verlieren wir nichts. Wir kehren nach Hause zurück.

Digitales Konzentrationslager: Tag des Datenschutzes oder Tag des Gedenkens an die Freiheit?

Wir haben eine Grenze erreicht, hinter der eine lebendige Seele zu einer Inventarnummer wird. Wie man in einer Welt der Algorithmen und sozialen Bewertungen eine Ikone des Schöpfers bleibt.

Wasser für das Herz: Warum Exupéry über die Taufe schrieb, ohne es zu wissen

Wir alle schleppen uns durch eine Wüste der Erschöpfung. Lesen wir den „kleinen Prinzen“ vor dem Dreikönigstag erneut, um zu verstehen, warum wir das lebendige Wasser so dringend brauchen.