Hieromönch Hilarion: „Ohne Hoffnung ist Besserung sinnlos“
Erzbischof Tichon feierte die Göttliche Liturgie in Berlin – Predigt über das Jüngste Gericht
Am 15. Februar 2026 hat Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, in der Auferstehungskathedrale Berlin die Göttliche Liturgie zum Fest der Begegnung des Herrn gefeiert. Der Tag fiel zugleich auf den Sonntag des Jüngsten Gerichts; bereits am Vorabend leitete der Hierarch die festliche Vigil. Während der Liturgie wurde zudem ein Friedensgebet gesprochen, wie die Diözese auf ihrer Webseite mitteilte.
In seiner Predigt ging Hieromönch Hilarion (Reznicenko) ausführlich auf das Evangelium vom Jüngsten Gericht nach Matthäus 25,31–46 ein. Er erklärte, dass Christus dort weniger das Ende der Welt beschreibe als vielmehr das Kommen des Menschensohnes in Herrlichkeit und die Offenbarung des wahren göttlichen Urteils. Im Mittelpunkt stehe die Frage nach gelebter Barmherzigkeit: Wer den Notleidenden geholfen habe, diene damit Christus selbst.
Der Prediger unterschied zwischen menschlichem Urteil und dem gerechten Urteil Gottes. Das griechische Wort „krisis“ bedeute Unterscheidung und Entscheidung; Christus als Hirte erkenne die Herzen ohne Irrtum. Menschliche Verurteilungen seien hingegen oft oberflächlich und von Vorurteilen geprägt, weshalb Christen zunächst ihr eigenes Leben prüfen sollten, statt andere zu richten.
Abschließend rief Hieromönch Hilarion dazu auf, das Evangelium als Hoffnung und zugleich als ernste Mahnung zu verstehen. Das Jüngste Gericht solle nicht Angst erzeugen, sondern zur inneren Läuterung und zu aufrichtigen Werken der Liebe anspornen, besonders im Blick auf die bevorstehende Große Fastenzeit.
Nach der Liturgie sang der Klerus vor der Festikone einen Lobgesang; anschließend segnete Erzbischof Tichon die Kerzen und besprengte sie mit Weihwasser.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Priester Daniel Schärer in Zürich predigte: „Es gibt beim Jüngsten Gericht nur eine einzige Frage: Hast du geliebt?“