„Aus dem Munde der Unmündigen hast Du Dir Lob bereitet“
Das Gedenken an die 14.000 unschuldigen Kinder von Bethlehem.
Am 11. Januar 2026 begeht die Orthodoxe Kirche das ehrwürdige Gedenken an die heiligen 14.000 unschuldig ermordeten Kinder von Bethlehem, die auf Befehl des gottlosen Tyrannen Herodes umgebracht wurden. In der liturgischen Tradition werden sie als erste Märtyrer Christi verherrlicht, denn sie wurden getötet nicht für eine Lehre, sondern für die Person des menschgewordenen Gottes selbst. Damit erfüllen sie das Wort des Herrn:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“
(Joh 15,16)
Die Heilige Schrift berichtet bildhaft von diesem Verbrechen des Herodes im Matthäusevangelium:
„Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:›Eine Stimme wurde in Rama gehört, Weinen und großes Klagen; Rahel beweint ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, denn sie sind nicht mehr.‹“
(Mt 2,17–18)
Wie es im kirchlichen Synaxarion heißt, empfingen sie die Märtyrerkrone, „ohne es zu wissen, doch nicht ohne Gott“. Ihre Stimme wurde nicht gehört auf Erden, aber im Himmel wurde ihr Zeugnis angenommen, denn – wie der Psalm bekennt:
„Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du Dir Lob bereitet.“
(Ps 8,3)
Die orthodoxe Kirche spricht über diese Kinder nicht in juristischen oder historischen Kategorien, sondern in Hymnen, die Offenbarung sind. In den liturgischen Texten wird Herodes als Werkzeug des Bösen entlarvt, während die Kinder als Opfer dargebracht werden, die Christus selbst entgegengehen. In einem der Hymnen heißt es sinngemäß:
„Die Kinder, die Herodes tötete, wurden Christus dargebracht wie makellose Erstlingsgaben.“
So offenbart die Liturgie, dass ihr Tod nicht sinnlos war, sondern eucharistischen Charakter trägt: ein Opfer des Unschuldigen, das die Bosheit der Welt entlarvt und zugleich das kommende Kreuz Christi vorwegnimmt.
In vielen russisch-orthodoxen Gemeinden wird dieses Gedenken bewusst auf die abgetriebenen Kinder der Gegenwart ausgeweitet. Nicht aus politischer Motivation, sondern aus liturgischer Konsequenz. Denn die Kirche betet stets für jene, die keine Stimme haben, und erkennt in ihnen dieselbe Unschuld, von der die Hymnographie spricht.
Die Kirche weiß:
Das, was Herodes mit dem Schwert tat, geschieht heute oft verhüllt, legalisiert und medizinisch verschleiert. Doch das geistliche Wesen der Tat bleibt dasselbe – das Töten des Wehrlosen. Die Liturgie legt dies offen, wenn sie klagt:
„Die Erde wurde befleckt durch unschuldiges Blut.“
Und doch bleibt die Kirche nicht in der Anklage stehen, sondern ruft zur Umkehr:
„Herr, wende Deinen Zorn ab und schenke der Welt Dein großes Erbarmen.“
In Deutschland werden an diesem Tag in den Kirchen der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland sowie der Russisch-Orthodoxen Kirche besondere Gebete vor den Ikonen der unschuldigen Kinder von Bethlehem verrichtet. Diese Ikonen sind keine bloßen Erinnerungsbilder, sondern theologische Aussagen in Farbe und Form:
Kinder mit Märtyrerkränzen, aufgenommen in das himmlische Reich, das – wie der Herr selbst sagt – den Kindern gehört.
In manchen Gemeinden geschieht dieses Gebet regelmäßig, verbunden mit Bußkanones, Fürbitten für Mütter und Väter sowie Gebeten um Heilung der Gesellschaft.
In der orthodoxen Lebensschutzbewegung wird das Gedenken an die unschuldigen Kinder stets auch im Licht der Zeichen der Zeit betrachtet. Kriege, Pandemien, gesellschaftliche Auflösung und Naturkatastrophen werden nicht als Zufall verstanden, sondern als Ruf Gottes an das Gewissen der Menschheit.
Die liturgische Tradition kennt diesen Zusammenhang gut. Immer wieder bittet die Kirche:
„Bewahre Dein Volk vor Hunger, Seuche, Erdbeben, Feuer, Schwert und fremder Herrschaft.“
Doch sie weiß zugleich: Solche Bitten bleiben hohl, wenn das Fundament des Lebens selbst zerstört wird. Wo das Blut der Unschuldigen vergossen wird, dort verliert die Welt ihren Frieden.
Für orthodoxe Lebensschützer ist dieser Gedenktag daher keine bloße Erinnerung, sondern eine geistliche Quelle. In den Hymnen, Gebeten und Lesungen empfangen sie Segen, Kraft und Mut, um ihre Mission fortzusetzen – nicht im Geist des Zorns, sondern im Geist der Wahrheit.
Die heiligen Kinder von Bethlehem werden so zu Fürsprechern und Mitstreitern, die uns lehren, dass Gott selbst dort wirkt, wo der Mensch nur Schwäche sieht.
Das Gedenken an die 14.000 unschuldigen Kinder von Bethlehem ist ein leuchtender Spiegel der orthodoxen Theologie:
Es verbindet Martyrium und Barmherzigkeit, Gericht und Hoffnung, Wahrheit und Heilung.
„Als annehmbare Opfer und frisch gepflückte Blumen, als göttliche Erstlingsfrüchte und neugeborene Lämmer wurdet ihr Christus geopfert, der als Kind geboren war, o ihr reinsten Kinder. Der Bosheit des Herodes habt ihr gespottet: nun flehen wir zu euch, betet unaufhörlich für unsere Seelen.“ (Troparien, 1. Ton)