Priester Konstantin Anikin: „Christus ist der Samariter der heutigen Menschen“
Der Geistliche rief in Berlin dazu auf, kirchliche Heilmittel ernst zu nehmen und Mitmenschen wie Christus selbst zu begegnen
Zum 24. Herrentag nach Pfingsten, dem 23. November 2025, predigte Priester Konstantin Anikin in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin (ROK) zum Gleichnis vom barmherzigen Samariter und erklärte, dass Jesus heute der Samariter für die Menschen sei. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
In seiner Ansprache deutete Priester Anikin den barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium (10,25-37) als Bild für Christus, der den Menschen oft fremd erscheine, ihnen aber dennoch zu Hilfe komme. Wie der verletzte Mann im Gleichnis liege auch der heutige Mensch „am Straßenrand“ – erschlagen von Sünden, Versuchungen und inneren Kämpfen – und sei auf göttliche Hilfe angewiesen. Die Kirche beschrieb der Priester als jenes „Krankenhaus“, in das Christus den gefallenen Menschen bringt, damit seine geistlichen Wunden geheilt werden können.
Der Geistliche warnte davor, sich selbst retten zu wollen und Gottes Hilfe auszublenden. Hochmut und Selbstgerechtigkeit hätten immer wieder in menschliche Katastrophen geführt, sagte er mit Blick auf Beispiele aus der Geschichte – in Russland ebenso wie in Deutschland. Wer Christus ablehne, gerate in die Hände zerstörerischer Mächte, während wahre Heilung nur durch Christus und in der Kirche möglich sei.
Priester Konstantin Anikin ging auch auf die Rollen von Priester und Levit im Gleichnis ein und erklärte, dass sie damals aus kultischen Vorschriften heraus nicht helfen konnten. Diese Episode sei eine Mahnung, religiöse Regeln nicht über das Wesen der Nächstenliebe zu stellen. Auch heute bestehe die Gefahr, sich in Äußerlichkeiten – etwa beim Fasten oder beim strengen Befolgen liturgischer Vorgaben – zu verlieren und dabei das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren.
Zum Abschluss rief der Berliner Geistliche dazu auf, im Mitmenschen Christus selbst zu erkennen und jeden Bedürftigen so zu behandeln, als stünde Christus vor einem. Das Gleichnis solle ein Maßstab für das eigene Handeln im Alltag werden.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzbischof Tichon dem heiligen Tichon von Moskau gedachte.