Der Sieg der Auferstehung über das Denken der Antike

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„Ich glaube an den einen Gott …“. Foto: UOJ „Ich glaube an den einen Gott …“. Foto: UOJ

Der Apostel Paulus erinnert an das wichtigste Fundament des christlichen Glaubens. Die Auferstehung des Erlösers ist kein schöner Mythos, sondern eine historische Tatsache, die die Beschaffenheit des Seins selbst verwandelt hat.

Die Apostellesung am 12. Sonntag nach Pfingsten ist dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther entnommen (1 Kor 15,1–11). Dieser Text nimmt im gesamten Neuen Testament eine herausragende Stellung ein. Darin wendet sich der Apostel Paulus der zentralen Frage des christlichen Glaubens zu: der Auferstehung Christi und der allgemeinen Auferstehung der Toten, deren Möglichkeit von einigen Mitgliedern der Gemeinde von Korinth bestritten wurde. Der historische Wert dieses Abschnitts liegt darin, dass er die älteste schriftlich überlieferte Formel des christlichen Glaubensbekenntnisses enthält, die lange vor der Niederschrift der vier Evangelien entstanden ist.

In 1 Kor 15,3–4 heißt es: „Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, dass er begraben worden ist und dass er am dritten Tag auferstanden ist nach den Schriften …“ Der Apostel verwendet hier Fachbegriffe aus der jüdischen Tradition der Weitergabe heiliger Überlieferungen: „überliefert“ und „empfangen“. Dies zeigt, dass Paulus keine eigene Lehre konstruiert, sondern eine objektive historische Wirklichkeit weitergibt, die von der Kirche in Jerusalem festgehalten worden war. Höchstwahrscheinlich empfing Paulus diese Glaubensformel während seiner Begegnung mit Petrus und Jakobus um 35–36 n. Chr., also nur wenige Jahre nach der Kreuzigung.

Paulus entwickelt eine stringente Beweisführung für die Historizität der Auferstehung, indem er die Zeugen aufzählt: Kephas, also Petrus, als Erster der Apostel; die zwölf engsten Jünger und mehr als fünfhundert Brüder zugleich. Paulus betont, dass „die meisten von ihnen bis jetzt noch leben“. Dies ist eine direkte Aufforderung an seine Gegner, zu diesen Menschen zu gehen und die Augenzeugen persönlich zu befragen. Anschließend nennt er Jakobus, den Bruder des Herrn, alle Apostel und schließlich sich selbst, dem Christus auf dem Weg nach Damaskus erschienen war. Für Paulus ist die Auferstehung weder ein Mythos noch das mystische Erlebnis eines einzelnen Menschen, sondern eine historische Tatsache, die sich konkret in Zeit und Raum verorten lässt.

Der Konflikt zwischen antikem und semitischem Denken

Das Hauptproblem der Korinther bestand nicht darin, dass sie an der Auferstehung Christi selbst zweifelten. Vielmehr behaupteten sie: „Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht“ (1 Kor 15,12). Dahinter verbirgt sich ein tiefgreifender Konflikt zwischen dem biblischen, semitischen und dem hellenistischen, griechischen Weltbild.

In der griechischen Philosophie, insbesondere unter dem Einfluss des Platonismus und des Orphismus, wurde der Körper als Gefängnis der Seele betrachtet. Erlösung bedeutete für den Griechen die Befreiung der unsterblichen Seele aus den Fesseln der groben und unvollkommenen Materie. Die Vorstellung, dass der Körper wiederauferstehen sollte, erschien dem gebildeten Hellenen als Wahnsinn und Absurdität. Erinnern wir uns an die Reaktion des athenischen Areopags in Apg 17,32: „Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen …“

Nach jüdischem Verständnis ist der Mensch keine in einem Körper eingesperrte Seele, sondern ein einheitliches und unteilbares psychosomatisches Wesen. Ohne seinen Körper ist der Mensch unvollständig; er ist nur ein Schatten im Scheol.

Die Erlösung des Menschen durch Gott schließt notwendigerweise die Rettung und Verwandlung seiner gesamten Natur ein – einschließlich des materiellen Körpers. Paulus vollzieht eine philosophische Revolution: Er erklärt, dass die Materie nicht böse ist. Sie wurde von Gott erschaffen und ist für die Ewigkeit bestimmt. Das Christentum überwindet die gnostische Verachtung des Körpers, indem es durch die Auferstehung die ewige Würde der menschlichen Leiblichkeit bekräftigt.

Drei Säulen der apostolischen Lehre

Die Theologie dieses Abschnitts basiert auf mehreren zentralen Themen.

  • Die Verwurzelung in der Heiligen Schrift. Zweimal wiederholt Paulus die Formulierung: „Christus ist gestorben … nach den Schriften“ und „auferstanden … nach den Schriften“. Damit weist er darauf hin, dass Golgatha und das leere Grab kein Zufall sind, sondern die Erfüllung des ewigen göttlichen Ratschlusses, der bereits im Alten Testament seinen Ausdruck fand. Das Christentum ist in der Heilsgeschichte verwurzelt, die der Gott Israels begonnen hat.
  • Das Dogma der Erlösung. Die Worte „Christus ist für unsere Sünden gestorben“ führen eine der wichtigsten christlichen Lehren ein. Der Tod Christi hat den Charakter eines erlösenden Opfers, das die durch die Sünde entstandene Mauer der Entfremdung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf niederreißt.
  • Die Einheit des apostolischen Zeugnisses. Am Ende des Abschnitts schreibt Paulus: „Ob nun ich oder jene: So verkündigen wir, und so seid ihr zum Glauben gekommen“ (1 Kor 15,11). In Korinth herrschten Spaltungen: „Ich gehöre zu Paulus“, „ich zu Apollos“, „ich zu Kephas“. Paulus überwindet diesen Partikularismus, indem er erklärt, dass der Kern des Evangeliums bei allen Aposteln vollkommen identisch ist. Die Kirche ist in ihrem zentralen Dogma geeint – ungeachtet der unterschiedlichen Persönlichkeiten und Wege ihrer Verkündiger.

Das Geheimnis des Zusammenwirkens von Mensch und Gott

Paulus bezeichnet sich selbst als eine „Missgeburt“ – im griechischen Urtext wörtlich eine Fehlgeburt beziehungsweise ein vorzeitig geborenes Kind. Darin zeigt sich ein Höchstmaß an Demut. Er bekennt seine schwere Sünde: die Verfolgung der Kirche Gottes. Gerade vor diesem Hintergrund offenbart sich jedoch die christliche Lehre von der Gnade: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen; vielmehr habe ich mehr gearbeitet als sie alle – doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“ (1 Kor 15,10).

Hier wird das zentrale orthodoxe Prinzip der Synergie, des Zusammenwirkens von Gott und Mensch, formuliert.

Einerseits ist alles, was Paulus besitzt, ein reines Geschenk Gottes, der durch ihn wirkt. Andererseits verlangt dieses Geschenk nach einer Antwort: nach persönlichem geistlichem Einsatz und nach Arbeit – „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle“. Die Gnade wirkt nicht gewaltsam; sie entfaltet ihre Wirksamkeit durch den freien Willen des Menschen.

Die Lesung des 12. Sonntags nach Pfingsten führt die Gläubigen aus dem Bereich eines abstrakten Moralismus heraus und zurück zum Wesen des Christentums. Paulus erinnert daran: Das Christentum ist nicht lediglich ein „System richtiger Werte“ oder ein „ethischer Kodex“. Das Christentum ist die Treue zu einem Ereignis.

Wenn Christus nicht leibhaftig und innerhalb der Geschichte auferstanden ist, dann ist das Christentum die größte Täuschung überhaupt und die Gläubigen sind „beklagenswerter als alle anderen Menschen“ (1 Kor 15,19). Wenn Er aber auferstanden ist, dann ist der biologische Tod überwunden, die Materie geheiligt und die menschliche Arbeit, die im Zusammenwirken mit der Gnade vollbracht wird, von ewigem Wert.

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